Vollverstärker Quad Platina Imtegrated im Test, Bild
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Einzeltest > Vollverstärker > 05.02.2026

Quad erat demonstrandum

Wir haben den britischen Hersteller Quad über die Jahre in erster Linie als Verwalter seines eigenen – zugegebenermaßen schwergewichtigen – Erbes kennengelernt: Viel Produkte referenzieren Klassiker aus einer bessere HiFi-Zeit. Doch das muss nicht so sein, wir die brandneue Platina-Baureihe beweist

Vollverstärker Quad Platina Imtegrated

Nach den entzückenden Neuinterpretationen der Verstärkerklassiker Quad 33 und 303 (wir berichteten) aus Huntington ging es als Nächstes darum, die etwas „normalere“ HiFi-Palette zu renovieren. Das Ergebnis dessen ist die „Platina“-Baureihe, deren erste Inkarnation in Form des Vollverstärkers „Platina Integrated“ vor uns steht. Dabei handelt es sich um einen sehr umfangreich ausgestatteten Vollverstärker moderner Bauart, will sagen: Hier gibt’s nicht nur klassische Verstärkertugenden zuhauf, sondern auch ein reichhaltiges Portfolio an digitalen Anschlussmöglichkeiten.   

In diesem Zusammenhang vielleicht interessant: Das zweite Gerät der Platina Baureihe, der Platina Stream, ist das, was dem „Integrated“ noch fehlt: Ein moderner Streamer. Warum der Hersteller sich genötigt sah, dort noch einmal genau den gleichen hochwertigen Digital-/Analogwandler einzubauen wie in den Vollverstärker erschließt sich mir nicht so ganz, aber das ist an dieser Stelle denn auch nicht von entscheidender Bedeutung.   

Der Integrated ist eine pragmatisch gestaltete Lösung für alle, die einfach nur gut Musik hören wollen und keine Lust auf philosophieüberfrachtetes HiFi haben. Das Gerät beinhaltet überaus stabile A/B-Endstufen, die unangestrengt 200 Watt in Acht- und 300 Watt in Vier-Ohm-Lautsprecher drücken. Damit braucht man auf Sensibilitäten der angeschlossenen Schallwandler praktisch keine Rücksicht mehr nehmen.   

Fürs Analogvolk von Interesse ist die eingebaute Phonovorstufe, die sowohl MM- als auch MC-Systeme ziemlich ordentlich bedienen kann.

Vollverstärker Quad Platina Imtegrated im Test, Bild
Moderner Aufbau mit wenig freier Verdrahtung – so geht Großserien-HiFi heutzutage
Die Verstärkung ist mehrstufig umschaltbar, leider lässt sich die Eingangsimpedanz im MC-Betrieb nicht variieren. Der Hersteller gibt einen fixen Wert von 360 Ohm an, MMs düfen sich an 50 Kiloohm austoben. Hinzu gesellen sich zwei Hochpegeleingänge, von denen einer sogar symetrisch per XLR-Kabeln beschickt werden darf. Symmetrie gibt’s bei Bedarf auch für die Vorverstärkerausgänge; das Gerät sieht explizit die Möglichkeit vor, es als reine Vorstufe zu benutzen und die eingebauten Endverstärker stillzulegen – was meiner bescheidenen Meinung nach aber eine echte Unterlassungssünde wäre. Das Gerät verfügt über eine extrem aufgeräumt gestaltete Front, die entscheidenden Ding sind der große Knopf rechts und das hübsche Farbdisplay halb links. Der Knopf besteht ganz ohne Frage aus ziemlich viel Metall, er klingelt bei entsprechender Anregung zudem wie eine Glocke. Ich habe jedoch ein gewisses Maß an Verständnis dafür, dass Quad hier ein wenig „Show and Shine“ betreibt. Unmittelbar neben dem Display gibt’s drei unauffällige Tasten, mit denen man sich durch die zahlreichen Menüeinträge navigieren kann. Und natürlich gibt’s dort auch so nette Spielereien wie umschaltbare Display-Betriebsarten, zu denen auch diverse VU-Meter-Varianten gehören. Man kann der Anzeige jedoch auch beibringen, sich unmittelbar nach Bedienvorgängen in die Dunkelheit zu verabschieden.   

Einen Standby-Taster gibt’s ganz links. Einen harten Netzschalter auf der Geräterückseite. A propos: Dort finden sich (natürlich) auch die Lautsprecherterminals, die Polklemmen hätten für meinen Geschmack gerne ein oder zwei Nummern hochwertiger sein dürfen. Eine besondere Erwähnung verdient noch das letzte rein analoge Feature des Gerätes, nämlich der Kopfhörerausgang, der von einem ziemlich guten Current-Feedback-Verstärker gespeist wird und mit so ziemlich allen Impedanzen fertig wird, die der Kopfhörermarkt heutzutage so hergibt.   

Wer diverse Digitalquellen im Angebot hat, dem wir die Rückseite des Platina Integrated zweiflesohne gefallen. Gleich sechs Ein- und zwei Ausgänge erlauben den Anschluss unterschiedlichster digitaler Gerätschaften. Besonders auffällig dabei ist der „HDMI ARC“-Anschluss über den sich unproblematisch die Audiosignale praktisch beliebiger Fernsehgerätschaften abgreifen lassen. Und sonst? USB mit maximal 768 Kilohertz (PCM) und DSD 512 – so macht man das heutzutage. Die optischen und koaxialen Anschlüsse können immerhin bis 192 Kilohertz. Roon-Zertifizierung? Aber sicher doch.   

Sollen wir mal reingucken? Aber klar doch! Unter dem Deckel gibt’s reichlich Technik zu bestaunen – alles Andere wäre bei diesem Ausstattungs- und Leistungspaket auch mehr als überraschend gewesen. Die beiden Endstufen sitzen nach alter Väter Sitte links und rechts auf massiven Kühlkörpern. Das sorgt für bestmögliche Kanaltrennung, die schiere Menge von eingesetztem Aluminium sorgt dafür, dass die Chose auch dann nicht nennenswert heiß wird, wenn man die Reserven des Amps auch mal ausreizt. Zur Schaltungstechnik der Endstufen kann ich leider wenig sagen, weil man einfach nicht viel davon erkennen kann und ich wollte das mit dem Auseinandernehmen nicht übertreiben. Messtechnisch jedenfalls sind die Endstufen erste Sahne und liefern genau das, was der Hersteller im Prospekt auch verspricht. Was ja auch eher selten ist.   

Der zentrale Ringkerntrafo, obschon wahrlich kein Kleinkaliber, scheint mir mit spezifizierten 630VA etwas knapp bemessen, was in erster Linie die Dauerleistung an vier Ohm beeinträchtigen dürfte. Aber hey – wer mit den gelieferten 300 Watt nicht klarkommt, der macht beim Musikhören vielleicht irgendetwas strukturell falsch. Beachtung verdient noch der Lautstärkesteller, ein guter alter Vielbeiner aus den Burr-Brown-Regalen namens PGA4311. Das Ding ist sogar vierkanalig und wir wollen nicht ausschließen, dass die Verstärkerschaltung an diesem Punkt vollsymmetrisch ausgelegt ist, dann würde es nämlich zwei Züge pro Kanal brauchen.   

Die Digitalfraktion darf sich über den Einsatz des bestens beleumdeten Wandlerchips ES 9038 Pro freuen, der gleich achtkanlig konzipierte Wandler ist Stateof- the-Art in diesem Bereich. Der Einsatz zweier hochwertiger Quarzoszillatoren als Master Clocks sorgt für Präzision im Zeitbereich, was dem Klang der Wandlersektion zusätzlich aufs Fahrrad helfen dürfte. Die Phonovorstufe arbeitet gar mit diskreten JFETs und ist wahrlich keine schnöde Alibilösung.   

Vom technischen Standpunkt aus gesehen hat der Hersteller alles getan, um dem Platina Integrated zu einem guten Start zu verhelfen, was aber passiert im Hörraum? Auf die Frage lieferten die JBL L300 eine sehr deutliche Antwort, gerade der Tieftonbereich war für die stramme und kontrollierte Gangart der Endstufen äußerst dankbar. Kraft ist in Hülle und Fülle vorhanden, das Gerät weiß diese aber sehr gut dosiert einzusetzen. Während mich die dicken JBLs mit ihrer Bassfülle in die letzte Reihe bei uns im Hörraum zwingen, geht’s mit dem Quad auch auf dem Standard- “Hörsofa“ davor. Bestes Beispiel dafür: „Fool“ vom bei mir immer noch schwer angesagten Album „You all look the same to me“ der britischen Trip-Hop-Band Archive. Was die Jungs damals alles in den unteren Registern des Spektrums angestellt haben, verdient allerhöchsten Respekt. Sogar die eingebaute Phonovorstufe des Platine macht hier ein sehr gute Figur. Das EMT im Thales fühlt sich an den 360 Ohm pudelwohl, mit mittlerer Verstärkung spielt der Abtaster schön dynamisch und stimmig. Mit einer guten externen Lösung geht’s zweifelsohne noch ein Spur strammer und aufgeräumter, „Fool“ tönt jedoch auch hier schön substanziell und farbig. Die Kombination aus diszipliniertem Hochpegelzweig und etwas ausschweifender Phonovorstufe tut auch bei Jazz gut. Anouar Brahems ECM-Klassiker „Barzakh“ nimmt den Zuhörer förmlich in den Arm, taucht ihn in eine Wolke aus Exotik, bewahrt sich aber ein erfreuliches Maß an Differenzierungsvermögen.   

Der Quad scheint mit ein perfektes Gerät für Zeitgenossen zu sein, die mit HiFi eigentlich nichts zu tun haben wollen. Er agiert völlig zickenfrei, verfügt über ein schlüssiges Bedienkonzept, dürfte so ziemlich jeden Lautsprecher treiben und genügt im besten Sinne der Maxime „Anschließen und einfach benutzen“.  

Gemessenes: 
Vollverstärker Quad Platina Imtegrated im Test, Bild

Im Messlabor weiß der Quad voll und ganz zu überzeugen. Er leistet satte 200 Watt an acht und 300 Watt an vier Ohm. Im Hochpegelbetrieb beträgt der Fremdspannungsabstand bei einem Watt an acht Ohm erfreuliche 92,6 Dezibel(A). Die Kanaltrennung beachtliche 82,9 Dezibel(A), die Verzerrungen liegen bei sehr geringen 0,028 Prozent. An Vier-Ohm-Last ändert sich das Bild kaum, wir maßen 89,6 / 84,2 Dezibel(A) bzw. 0,027 Prozent. Der Phonofrequenzgang verläuft sehr ausgeglichen, im MM-Betrieb glänzt das Gerät mit sehr guten 78,9 Dezibel(A) Fremdspannungsabstand und 78,9 Dezibel Kanaltrennung (5 mV Eingangsspannung, 1 Volt am Vorstufenausgang). Im MC-Betrieb gehen die Wert erwartungsgemäß zurück, liegen aber immer noch auf sehr hohem Niveau. Ein Kostverächter ist der Quad in keinem Fall: Im Leerlauf genehmigt er sich rund 98 Watt aus der Steckdose. 

Mitspieler 
Plattenspieler: 
  •  Thales Elegance / Simplicity II 

Tonabhehmer: 
  •  EMT JSD 6 

Phonovorstufe: 
  •  Accuphase C-47 

Lautsprecher: 
  •  JBL L300 

Gegenspieler 
Vollverstärker: 
  •  Exposure 3510 Integrated  

Gespieltes 
  • Archive: You all look the same to me 
  • Anouar Brahem: Barzakh 
  • Chick Corea: Return To Forever 
  • Fleetwood Mac: Rumours  


Fazit

Ein prall ausgestatteter Vollverstärker mit satten Leistungsreserven, direktem und diszipliniertem Klangbild – eine perfekte Lösung für HiFi-Pragmatiker

KategorieVollverstärker
ProduktPlatina Imtegrated
HerstellerQuad
Preis4200 Euro
Getestet vonHolger Barske
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

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Holger Barske
Redakteur / Tester

Holger Barske


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