Ursprünglich wurde die Custom-Serie von Audes allein für Heimkinozwecke gebaut. Im Laufe der beinahe 15jährigen Geschichte dieses Lautsprechers gab es jedoch Änderungen an der Abstimmung. Heute spricht die 527 eher HiFi-Hörer an. So Typen wie mich zum Beispiel.
On-Wall-Lautsprecher Audes 527
Produkte der Firma Audes gab es in LP und auch in HiFi Test schon öfter zu sehen. Dabei wurden beide Standbeine der estnischen Firma berücksichtig: Die Lautsprecher ebenso wie die Power-Conditioner (die es übrigens nun auch in Weiß gibt). Einer davon ist übrigens aus unserem Hörraum nicht mehr wegzudenken, der DT-3600, ohne den man einfach nicht mehr hören möchte, hat man sich erstmal dran gewöhnt. Wobei es in einer üblichen HiFi-Anlage nicht unbedingt gleich der dickste Conditioner im Portfolio sein muss. Für den deutschen Markt hat der Vertrieb, die TCG Handels GmbH, das etwas ausufernde und verwirrende Angebot an Lautsprechern angenehm reduziert. Im Grunde gibt es hierzulande nur die wirklich exzellente M-Serie zu kaufen (wobei man, wenn man unbedingt will, auch mal die anderen Modelle anfragen darf). Die beiden Lautsprecher der M-Serie (genau genommen sind es drei) waren schon hier im Heft zu Gast. Da sprechen wir aber nicht zuletzt wegen des aufwendigen Gehäuses von einer anderen Preisklasse. Die 527 hingegen kostet pro Paar 3700 Euro, der Stückpreis liegt bei 1850 Euro. Wer also noch einen Center kaufen möchte, kann den Lautsprecher folglich auch einzeln kaufen. Das ist auch viel Geld, aber das ist eben auch mal ein Lautsprecher, der nicht aus China kommt. Es gibt auch noch kleinere Modelle in der Reihe, allen gemeinsam ist, dass sie idealerweise mit einem Subwoofer betrieben werden, weil Bass (bewusst) nicht ihre Stärke ist. Als Kunde hat man die Wahl, ob man ein schwarzes oder ein weißes Gehäuse will (matt oder Hochglanz), und ob man die Boxen als Einbauversion (In-Wall) kauft oder zum an die Wand hängen (On-Wall). Ach ja, und dann muss man noch entscheiden, ob man sie vertikal oder horizontal installiert. Neben einem Fernseher kann ich mir die beiden so oder so sehr gut vorstellen, das sieht bestimmt toll aus. Beziehungsweise es sieht toll aus, man kann sich das nämlich auf der Homepage des Herstellers (audes.ee) im Konfigurator ansehen. Cool ist, dass es unterschiedlich große Blenden gibt, sodass man, sollte man mal auf einen deutlich größeren Fernseher umsteigen, die Box dem anpassen kann.
Technik
Der Preis legt es schon nahe: Die Treiber sind nicht einfach Stangenware, auch wenn der Hersteller im Grunde keine Details verrät. Nur so viel: Der 1-Zoll-Aluminium- Hochtöner hat eine hornähnliche Schallführung, die den Treiber etwas entlastet bei hohen Pegeln. Die beiden Polypropylen- Mitteltöner pro Seite haben einen Durchmesser von 6,5 Zoll. Das zusammen mit dem zwar hohen (oder breiten, je nachdem), aber flachen Gehäuse ermöglicht eine Basswiedergabe bis etwa 70 Hertz bei sehr wandnaher Aufstellung. Soll heißen: Wer die Lautsprecher auch zum Musikhören nutzen möchte, benötigt einen Subwoofer, denn sonst klingt es einfach etwas dünn.
Hörtest
Ich habe die Lautsprecher aus Interesse zunächst freistehend in unserem großen (62qm) Hörraum gehört.
Der Hochtöner sitzt in einer Hornähnlichen Schallführung für mehr Wirkungsgrad Leicht nach hinten geneigt. Also die Lautsprecher. Und sie gefielen mir auf Anhieb, weil sie ein Klangbild liefern, das ich sehr mag. Sie erinnern nämlich unmittelbar an Studiomonitore, so sauber und klar spielen sie. Es fehlt (Tief-)Bass, klar, aber das liegt in der Natur der Sache. Was sie machen, machen sie wunderbar. Die Sprachverständlichkeit ist super, die Stimmwiedergabe sehr schön. Insgesamt wirkt der Lautsprecher flott und zackig, aber nicht aufdringlich. Metallicas „Fight Fire With Fire“ bot die Audes 527 sehr transparent und sehr gut aufgelöst. Bei Fiona Apples „When The Pawn…“, einem eher bassstarken Album, tat es gut, den Opener „On The Bound“ mal in schlank zu hören, aber es ist auch klar: So ist es nicht ideal. Also schnell einen Subwoofer mit ins Spiel genommen. Und oha! Ich habe danach nichts mehr vermisst, die Tugenden des Lautsprechers blieben naturgemäß komplett erhalten, nun war aber auch untenrum was los. Ein nicht unerwarteter Nebeneffekt der Tieftonunterstützung war, dass die Abbildung in der räumlichen Tiefe zulegte, das ist fast immer der Fall, wenn man einen Bassmeister hinzuholt. So traute ich mich auch, Dream Theaters „Six Degrees Of Inner Turbulance“ aufzulegen (siehe Rezensionsteil). Das Album der Prog- Metaller ist stellenweise pfeilschnell und von „Natur“ aus schon nicht sehr warm und bassstark. Das gepaart mit nur 70 Hz unterer Grenzfrequenz sollte man lieber nicht ausprobieren. Aber so, mit einem Trio aus Audes und SVS, machte das richtig Bock. Und sogar mit diesem Material fiel auf, was gerade bei Klassik und Jazz besonders auffiel: Die Musik löst sich erstaunlich leichtfüßig von den Schallwandlern, das ist einfach eine große Freude. Von daher: Unbedingt mal anhören!
Gemessenes: Die Audes-On-Wall-Box zeigt einen breitbandigen Frequenzgang mit einem etwas zurückgenommenen Präsenz- und Hochtonbereich. Der Wirkungsgrad ist enorm, während die untere Grenzfrequenz an der Wand bei etwa 70 Hertz liegt. Die kräftige Resonanz des Hochtöners liegt außerhalb des Hörbereichs. Der Klirr ist auch bei sehr lauten 95 Dezibel im gesamte Frequenzbereich niedrig, es gibt keine störenden Resonanzen. Mit einen Impedanzverlauf von durchgehend über 4 Ohm ist die Audes nicht verstärkerkritisch
Mitspieler Plattenspieler:
Tonabnehmer:
Phonovorstufen
Lautsprecher:
Gegenspieler
Vollverstärker:
Gespieltes- Fiona Apple: When The Pawn…
- Muff Potter: Bei Aller Liebe
- Dream Theater: Six Degrees Of Inner Turbulance