Platte Wishbone Ash – Argus (Decca/MCA) im Test, Bild
Die ungefähre Lesezeit beträgt 3 Minuten
Musikrezension > Platte > 06.01.2026

Wishbone Ash – Argus


Genre: Folk Rock

Zugegeben, gute Gründe für ein Loblied auf Wishbone Ash´s Meisterwerk „Argus*“ zu finden, ist wie Dynamitfischen im heimischen Gartenteich. Von der Innovation der Doppel-Leadgitarren, der Verschmelzung von Folk, Prog-Rock und Prä-Metal bis hin zum, fast verschwenderischen, Gebrauch von wunderschönen Melodien, sind alle Zutaten für einen Meilenstein vorhanden. 

Nach den ersten beiden, schon vielmals beachteten Alben, änderte die Band für ihr Drittwerk die Marschrichtung. Die vormals vorhandenen Blueselemente wurden 1972 drastisch reduziert und durch mythologische Themen ersetzt. Hinzu kamen epische, im Mittelalter beheimatete Geschichten, die von der ersten Sekunde an fesseln. „Time was“ markiert den Beginn einer außergewöhnlichen Reise. Anfangs träumerisch-folkig, entwickelt sich der Opener zu einem wilden Ritt. Was Andy Powell und Ted Turner an Gitarrenarbeit leisten, macht sprachlos. Aber hier geht es nicht darum, Lautstärkenrekorde aufzustellen oder die Muskeln spielen zu lassen, nein, Eleganz und Anmut stehen ganz oben auf der Agenda. „Sometime World“ hält auf wunderbare Weise das Niveau und erstickt die Befürchtung, Wishbone Ash hätten ihr Pulver bereits im ersten Song verschossen, im Keim. „Blowin Free“ zollt Crosby, Stills & Nash Tribut mit mehrstimmigem Gesang. „Warrior“ ist eine lupenreine Blaupause für die, später aufkommende „New Wave of British Heavy Metal“. Nicht umsonst beziehen sich Bands wie Thin Lizzy, Iron Maiden und Judas Priest auf „Argus“. Hier ein seltsamer, wie wundervoller Aspekt des Albums. Wenn man sich voll und ganz der Musik hingibt, geschieht etwas Wunderbares. Langsam, ganz langsam wird der geneigte Hörer zum Ritter auf dem ikonischen Cover. Die Melodien tragen einen weit fort in die Zeit der Helden, Sagen und Mythen. Man überblickt grüne Landstriche und Auen, überwacht diese mit Argusaugen und Speer in der Hand gegen anrückende Feinde. 45 Minuten lang ist man ein anderer, bis einen das Hier und Jetzt nach dem abschließenden „Throw Down the Sword“ wieder empfängt. 

Man reibt sich verwundert die Augen. Wo sind die wunderbaren Landschaften, die epischen Heldensagen, wohin ist die einzigartige Atmosphäre entschwunden? Man erwacht in einer dumpfen Realität aus Beton, Glas und Taubenscheiße. Irgendwo in der Ferne heult die Sirene eines Rettungswagens und Regen prasselt gegen die Fenster. „Argus“ schafft etwas, das nicht viele Alben können. Es entführt einen aus dem grauen Alltag und lässt Sorgen und Nöte verschwinden

Lust auf mehr? Entdecke unser LP Abo und das aktuelle Heft!

*Bei diesen Links erhält lp-magazin.de evtl. eine Provision vom Shop.

Fazit

Es gibt etliche Versionen des Albums. Eine Limited Edition, 45 Rpm und 180g Doppelvinyl, die Deluxe Edition mit Livemitschnitten und Demos und,und,und. Ich möchte die remasterte Doppelvinylversion empfehlen, sofern man kein Die-Hard-Fan oder Sammler ist. Denn egal auf welcher Art man sich diesem Meisterwerk nähert, unverzichtbar ist es auf jeden Fall.


TitelWishbone Ash – Argus
LabelDecca/MCA
Angehört vonLars Bartmann
Vorheriger Test

Vijay Iyer / Linda May Han Oh / Tyshawn Sorey – Compassion - Genre: Jazz

Nächster Test

Ambrose Akinmusire – Owl Song - Genre: Jazz

Logo LP:Magazin

Weitere Tests des Autors Lars Bartmann

Lars Bartmann
Redakteur / Tester

Lars Bartmann


newsletter_icon

Keine Tests verpassen!

Jetzt zu unserem Newsletter anmelden und keinen Test mehr verpassen.

× Vollbildanzeige