Plattenspieler Takumi TT Level 2.1 DC im Test, Bild
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Einzeltest > Plattenspieler > 25.02.2026

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Mehr als ein halbes Jahr habe ich auf den neuen Takumi TT Level 2.1 DC Plattenspieler im Vertrieb von 3H gewartet. Hat sich das Warten gelohnt?

Plattenspieler Takumi TT Level 2.1 DC

Ich falle mit der Tür ins Haus und sage „ja“, es hat sich mehr als gelohnt. Aber lasst mich am Anfang beginnen. Schon das Auspacken des Takumi 2.1 macht Freude. Alles wirkt gut durchdacht und ist schön gemacht. Beim Herausnehmen des Subtellers fällt mir eine Keramikspindel auf. Das ist eine durchaus ungewöhnliche Wahl, ich kann mich jedenfalls kaum an eine Spindel dieser Art erinnern, vor allem nicht in den letzten Jahren. Sie dreht auf einer Edelstahlkugel gut geölt in einer Kupferbuchse. Das ist schlau, denn Keramik lässt sich besser polieren und ist härter als Edelstahl. Somit kann die Kugel die Spindel auch kaum verformen, was umgekehrt der Fall wäre. Aber Moment mal, ich sollte vielleicht mal hinter die Marke schauen, denn die kennt hier noch niemand.  

Aufklärung 
Nein, ich bin nicht Dr. Sommer, aber ihr wollt doch sicher wissen, wer oder was Takumi ist. Da kann ich euch helfen. Takumi ist niemand, das ist ein Zustand, in den Rik Stoet, der Mann dahinter, gerne kommt und den er mit seinen Produkten verknüpfen möchte. Der Vertrieb 3H erklärt Takumi in der Definition von Nahoko Kojima, einer hoch dekorierten japanische Künstlerin: “Das Wesen von Takumi besteht darin, ein tiefes Verständnis für die Nuancen einer bestimmten Kunstform zu erlangen. Es bedeutet, sich ganz zu konzentrieren, unzählige Stunden an einer einzigen Sache zu arbeiten – und dabei nicht aufzugeben. Es erfordert, den Geist zu leeren und sich auf eine Weise zu fokussieren, die in der Lernphase kaum möglich ist.“ Und wer ist jetzt Rik Stoet? Rik ist ein ausgesprochen sympathischer Niederländer, der mit einem kleinen Team, im Kern sind sie zu dritt, diesen Plattenspieler entwickelt hat und herstellen lässt. Es gibt Firmen, die den Teller und einige Kleinteile produzieren, aber das meiste macht ein chinesischer Kleinhersteller für ihn. Das kam so: seine Ex-Freundin ist Chinesin. Es gab eine Firma, zu deren Chefingenieur sie den Kontakt hergestellt und gehalten hatte. Mit dieser Firma hatte Stoet bereits eine 100er Serie des Takumi Level 1 realisiert und praktisch komplett in den Niederlanden verkauft. Doch was dann? Die Resonanz war sehr gut und die Nachfrage konstant. Als Stoet dann so weit war, seinen Takumi Level 2.1 in die Welt bringen zu wollen, war die chinesische Firma pleite, und das Projekt Takumi bekam ein Fragezeichen. Doch nach einigen Monaten meldete sich der ehemalige Chefingenieur, er habe nun eine eigene Firma. Und mit denen macht Stoet nun fast alles. Seine Ex-Freundin ist sozusagen die Qualitätssicherung und nur so kann ein Projekt wirklich funktionieren. Apropos Takumi. Rik hatte sich für seine Kleinserie sehr viele Jahre Zeit gelassen und dabei fast wie ein Künstler verhalten, einschaldem der Galerist irgendwann das Bild aus der Hand nimmt, weil am nächsten Tag eine Ausstellungseröffnung ansteht. Rik wurde klar, dass er ein neues Level brauchte und als der neue 2.1 schließlich fertig war, führte er ihn einem potentiellen Händler vor. Der bestellte sofort und von da an ging das so weiter. Rik war von dieser Resonanz ernsthaft überrascht, um nicht zu sagen, überwältigt.  

Mehr Details 
Der erste Satz auf der Website des Takumi 2.1 macht ihn mir endgültig sympathisch:“Vinyl auf einem Plattenspieler abzuspielen gleich einem physikalischen Wunder.

Plattenspieler Takumi TT Level 2.1 DC im Test, Bild
Es gibt den 2.1 auch in Weiß, aber mir gefällt er in Schwarz besser. Der Speedpod kann auch unter dem Dreher verschwinden
Dabei dreht sich alles um Vibrationen.“ Wie recht er hat, denn wie so eine Nadel in der Rille einer Schallplatte herumirrt, ist nicht nur ein absurder Vorgang, die Vibrationen, die dadurch entstehen, sind substanziell. Man muss ihnen auf den Grund gehen und schauen, wie man sie kontrolliert, bedämpft und schnellstmöglich aus dem Gesamtsystem herausbringt. Wie man das tut, da ist jeder Jeck anders. Rik hat sich, wie schon angesprochen, lange und ausführlich Gedanken dazu gemacht. Dass sein Plattenspieler nicht mit einem fünfstelligen Preisschild daher kommt, liegt auch am niederländischen Ethos, aber das führt zu weit. Ich finde es jedenfalls großartig. Lasst mich beim Alusubteller mit seiner Keramikspindel wieder einsteigen. Der Subteller hat drei kleine Gummipuffer, auf denen der dazu gehörige, sehr leichte Acrylplattenteller aufsitzt. Der ist übrigens gedreht, was eher ungewöhnlich und aufwendiger ist. Zusätzlich ist er durch einen O-Ring um sein Mittelloch 1a vom Lager entkoppelt. Da hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht und das gilt für viel Aspekte dieses Plattenspielers. Der Eindruck hat sich auch beim Gespräch mit Rik Stoet vertieft. Er hat sein Werk über viele Jahre reifen lassen und nur deshalb ist sein Plattenspieler so gut, wie er es ist. Es gibt noch ein leichtes Plattengewicht, das angenehm zu benutzen ist - man kann es nutzen, muss aber nicht. Rik hat bewusst auf eine Tellermatte verzichtet, weil er mit seinem Tellermaterial nah am Vinyl sein wollte und durch die Eigenresonanzen von Tellermatten kein weiteres (Resonanz)-Feld aufmachen wollte.   

Weitere Elemente 
Stoet setzt einen DC-Motor ein, der mit seinem kleinen Pulley schnell dreht und tendenziell auch einmal etwas lauter werden kann. Deshalb hängt seine Montageplatte durch zwei O-Ringe isoliert in einer Aussparung. Da darf man etwas fummeln, bis er optimal sitzt. Eine Angabe in der Bedienungsanleitung dürft ihr getrost ignorieren: die Transportsicherungsschrauben müssen ganz raus. Apropos Anleitung. Die ist gut gemacht, hat aber ein paar Lücken: es fehlen Angaben zum Antiskating, zur Höhenverstellung des Arms sowie eine Schablone zur Tonabnehmerjustage.
Plattenspieler Takumi TT Level 2.1 DC im Test, Bild
Links außen erkennt man die Schraube fürs Antiskating. Seine Funktion wird in der neuen BDA noch genauer beschrieben
Da es so außergewöhnlich viel gibt, was bei diesem Plattenspieler passt, machen diese Kleinigkeiten Rik Stoet und Takumi wieder menschlich. Er hat mir versprochen, dass er das für die nächste Version ändert. Links hinten sieht man einen Hebel, mit dem man den Plattenspieler einschalten und die Geschwindigkeiten wechseln kann. Das aber nur, wenn man den Speed- Pod, die externe lässige Motorsteuerung, nicht hat. Der deutsche Vertrieb 3H hat sich dazu entschieden, den SpeedPod als Teil des Plattenspielers zu begreifen und ihn nicht als Option anzubieten. Mit ihm schaltet man dann den Takumi ein und wählt die Geschwindigkeiten, die man zusätzlich feinst justieren kann. 3H hat ein zusätzliches, optionales Linearnetzteil von SBooster in mein Paket gepackt. Das bringt auch etwas mehr Souveränität und Ruhe ins Klangbild. Aber man kann diese etwa 300 Euro auch erst einmal noch für einen besseren Tonabnehmer investieren. Serienmäßig wird der Takumi mit einem AT 3600 ausgeliefert. Das geht schon, aber ich würde direkt ein anderes System einschrauben, Takumi selbst hat da hervorragende Optionen. Möglich macht das der hervorragende Tonarm – das Beste kommt wie immer zuletzt. Dieser Tonarm mit seinem dünnen, unbedämpften Titanarmrohr, dem resonanzoptimierend verklebten Alu-Headshell und seinen doppelt kardanischen Standardlagern spielt auf einem irren Niveau. Rik Stoet hat sich vor allem auf sein Losbrechmoment fokussiert und nach vielen Versuchen genau diese Lager als ideal empfunden. Man darf sie nicht zu fest einstellen, dann kann dieser Tonarm locker einen Tonabnehmer zum Klingen bringen, der weit mehr als er selbst kostet. Mit seiner effektiven Masse von 15 Gramm ist er übrigens mittelschwer und dadurch perfekt für das Gros aller Tonabnehmer geeignet.   

Klang 
Über etwas lange nachgedacht zu haben, bedeutet ja nicht, dass etwas Außergewöhnliches dabei heraus kommt. Im Fall des Takumi ist das anders. So einen Klang hatte ich nicht erwartet. Entkoppelt wird der Dreher übrigens mit guten, verstellbaren und dämpfenden Füßen, ansonsten ist er platt gesagt, ein Brettspieler. Es fällt mir aber schwer, ihn einer bestimmten Kategorie zuzuordnen. Ok, er mag nicht den Nachdruck großer Masselaufwerke haben. Aber braucht es das überhaupt? Ich habe da so meine Zweifel, so leichtfüßig und doch nachdrücklich geht der Niederländer ans Werk. Schon mit dem kleinsten Takumi Aka Tonabnehmer klingt alles flüssig und durchsichtig. Schon damit kann man richtig glücklich Musik hören. Aber gemach, über die Takumi Tonabnehmer schreibe ich noch einen eigenen Artikel. Nur so viel: das Shiro für 1.400 Euro, im Bundle mit dem 2.1 spart man 200 Euro, ist ein Träumchen, ein perfekter Match. Mein Allaerts harmonierte ebenfalls unfassbar gut mit dem Tonarm, und das ist durchaus wählerisch in Bezug auf seine Arbeitsumgebung. Von Kraftwerks „Die Mensch-Maschine“ spiele ich „Wir sind die Roboter“ und gleite ansatzlos in diese wunderbar weichen, federnden Klänge hinein. So organisch, und lacht nicht, hoffnungsvoll habe ich das vielleicht noch nie gehört. Das Shiro glänzt hier mit einer seltenen Kombination aus Auflösung und Integrität, traumhaft. Von Horace Parlan lege ich mit „Happy Frame of Mind“ eine Blue Note Sternstunde auf. Im Titelstück „Home is Africa“ ergreift mich eine wunderbare Tonalität: Johnny Coles mit seinem wunderbar runden Ton, Booker Ervin mit seinem dreckigen Texas-Honk oder meinen geliebten Grant Green mit seinen harten, funky Noten höre ich sofort heraus und das ist mir ungeheuer wichtig. Hier zeigt das Allaerts seine Fähigkeiten in Reinkultur und fast möchte ich sagen: das bleibt jetzt so, seht doch zu, ich gebe den Takumi nicht mehr her. Ernsthaft, es klingt mit dem Shiro so gut, das Stück wird genial von Butch Warrens Kontrabass strukturiert. Dass er hier mit seinem kongenialen Schlagzeugpartner Billy Higgins spielt, hebt die Einspielung auf ein wirklich stellares Niveau. Und wer ermöglicht diese Einschätzung? Genau, der Takumi mit seinem unglaublich guten Tonarm.  

Mitspieler 
Tonabnehmer: 
  •  Takumi Aka, Kuro und Shiro 
  •  Allaerts MC1 Eco MKII 

Vorverstärker: 
  •  Stax SR-12 (modifiziert) 

Übertrager: 
  •  Air Tight ATH-3 
  •  Klein Technik SUT110 

Endverstärker:
  •  Eternal Arts OTL Mark III Commemorative Edition 

Lautsprecher: 
  •  Greenwall Ivy 

Gegenspieler 
Plattenspieler: 
  •  PTP Audio Solid 9 Special Stadshout mit Schröder Nr. 2 SQ  

Gespieltes 

  • Modern Jazz Quartet: The Last Concert 
  • Kraftwerk: Die Mensch-Maschine 
  • Horace Parlan: Happy frame of mind 
  • Jamie Saft/Steve Swallow/ Bobby Previte: The New Standard 
  • Kathleen Ferrier: Bach and Händel Arias 


Fazit

Haben wir einen neuen Plattenspieler gebraucht, oder wussten wir nur nicht, dass wir einen brauchen? Absolut! Der Takumi TT Level 2.1 DC ist vor allem wegen seines Tonarms in seiner Preisklasse praktisch konkurrenzlos.

KategoriePlattenspieler
ProduktTT Level 2.1 DC
HerstellerTakumi
Preis1795 Euro (attraktive Bundlepreise mit den Takumi Tonabnehmern)
Getestet vonChristian Bayer
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

Logo LP:Magazin

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Christian Bayer
Redakteur / Tester

Christian Bayer


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