Platte Ruth Lyon – Poems & Non Fiction (Pink Lane Records) im Test, Bild
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Musikrezension > Platte > 05.01.2026

Ruth Lyon – Poems & Non Fiction


Genre: Pop

Ruth Lyons Debütalbum besteht aus elf Songs, deren Sprache und Stimmung eindrucksvolle Bilder evozieren. Lyon arrangiert die Musik recht reduziert. Viele Stücke basieren auf dem Zusammenspiel von Klavier, Kontrabass, Klarinette und nur dezent eingesetztem Schlagzeug. 

Dazu kommt Lyons Gesang, der ruhig und konzentriert bleibt. Die Stimme steht harmonisch eingefügt im Mittelpunkt. Die Texte greifen persönliche Erfahrungen auf und die Songs fühlen sich an wie kurze Geschichten, manchmal sehr konkret, manchmal eher offen für Interpretation. Es geht um Rollenbilder, Selbstzweifel, Beobachtungen aus dem Alltag. Manches wirkt wie aus einem Tagebuch, anderes erinnert eher an kleine Erzählungen. Jeder Song hat seine eigene kleine Struktur, manche enden fast abrupt, andere lassen sich Zeit. Es gibt keinen durchgehenden Spannungsbogen, vieles entwickelt sich langsam und bleibt auf kleiner Flamme. Der Titel des Albums passt gut dazu. Produziert wurde das Album von John Parish, dessen Handschrift klar zu erkennen ist. Nichts ist überladen, alles bleibt offen und durchsichtig. Ruth Lyon verzichtet auf Effekte oder auffällige Studiotricks wie übermäßigen Hall, um den klaren und direkten Klang des Albums zu realisieren. 

Qualitativ bewegt sich Lyon auf höchstem Niveau, fordert Aufmerksamkeit beim Hören ein und belohnt den Hörer mit intensiven Gänsehautmomenten (diese Stimme!) und substanziellen Inhalten. Wer sich auf die Stimmung und das „Slow Listening“ einlässt, findet ein tolles Album, das keine aufgeregten Marketingtexte benötigt, weil es zur Gänze für sich spricht. Aufmerksamkeit suchen ist nicht das Ding der englischen Künstlerin. Eine seltene Perle.

Fazit

Ein substanzielles Album, das still, klar und konzentriert daherkommt.


TitelRuth Lyon – Poems & Non Fiction
LabelPink Lane Records
Angehört vonMichael Bruss
Vorheriger Test

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Nächster Test

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