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Musikrezension > Platte > 18.02.2026

Scorpion Milk – Slime of the Times


Genre: Noir Punk

Mat McNerney – bekannt durch Bands wie Beastmilk und Hexvessel – eröffnet mit dem Projekt Scorpion Milk ein neues musikalisches Kapitel. Als seien Hexvessel nicht schon schräg genug, tritt Scorpion Milk ein in eine musikalische Schattenwelt zwischen Post-Punk, Noir-Folk und apokalyptischem EBM-Glam. 

Slime Of The Times*“ klingt wie ein 1980er-Jahre-Fiebertraum aus Ruß und Sehnsucht, als hätten sich Joy Division mit Rowland S. Howard in einer finsteren Cabaret-Kneipe eingeschlossen, und würden die Vampire Boys im Röhrenfernsehen schauen, während „Stranger Things“-Poster an der Wand hängen und Danzig und die Sisters of Mercy eine Fetisch-Party feiern. Die Songs wabern, kratzen, schmerzen – aber sie verführen auch mit einer gewissen Portion Herzschmerz und Verruchtheit. „Heartache on a Stick“ ist ein melancholischer Hit, der mit seiner schiefen Eleganz hängen bleibt. „Buried in the Whiteness“ wirkt wie ein Gebet aus der Isolation, getragen von dissonanter Wärme. Immer wieder schimmern 80er-Referenzen durch, aber sie erscheinen eher als verblasste Erinnerungen an ein Jahrzehnt, das die Generation X nie ganz hinter sich gelassen hat. Die Produktion ist recht roh gehalten, rutscht aber nicht ins Lo-Fi-Genre ab. Die Gitarren jaulen, der Bass grummelt transparent und druckvoll, und die Stimme von McNerney ist mehr Flüstern als Singen und formt das klebrige Zentrum dieser giftgrünen Spirale. 

Nichts an diesem Album wirkt glatt, belanglos oder harmlos. Es ist ein klanggewordenes Unbehagen, das sich langsam und nachhaltig in die Gehörgänge frisst. „Slime Of The Times“ hat bisweilen etwas Unangenehm-Unaussprechliches, das man trotzdem hören möchte – und vielleicht auch muss.

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Fazit

KategoriePlatte
ProduktScorpion Milk – Slime of the Times
HerstellerPeaceville
Preis0 Euro
Getestet vonMichael Bruss
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Michael Bruss
Redakteur / Tester

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