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Einzeltest > Plattenspieler > 21.09.2026

Das Beste aus zwei Welten

Die Betrachtung eines neuen Dual-Plattenspielers kann nicht sinnvoll erfolgen, ohne einen Blick in die Vergangenheit der Marke zu werfen.

Plattenspieler Dual CS 718Q

Historisches 

Dual war eine Bank im internationalen Plattenspielermarkt. Über viele Jahre hinweg hatte der Hersteller aus dem Schwarzwald zusammen mit Thorens, Elac und Perpetuum Ebner den Weltmarkt praktisch in der Tasche. Das war in den Sechzigern und Siebzigern. Entsprechend üppig waren die Budgets der Entwicklungsabteilungen, was zu einer ganzen Reihe technisch hochinteressanter Details führte. In diesen Zeiten wurde das vollautomatische Abspielen von Platten perfektioniert, außerdem hielt mit dem Direktantrieb eine ganz neue Art und Weise, Plattenteller in Rotation zu versetzen, Einzug. Tatsächlich sind Geräte aus dieser Zeit bis zum heutigen Tag gesucht und tun, ein bisschen qualifizierten Service vorausgesetzt, auch nach mehr als 50 Jahren noch klaglos ihren Dienst. Ich habe selbst drei Dual-Direkttriebler aus dieser Zeit im Fundus und bin immer wieder erstaunt, wie ausgereift die Maschinen aus dieser Zeit sind.  

Dual anno 2026 

Rücksturz in die Jetztzeit. Dual hat turbulente Jahre hinter sich, die Marke ist durch diverse Hände gegangen und erst in den letzten Jahren ist diesbezüglich Ruhe eingekehrt.  Mittlerweile residiert und entwickelt man im oberbayrischen Fuchstal, gefertigt wird aber im fernen Osten. Dagegen spricht absolut überhaupt nichts, zumal man sich einen hoch spezialisierten Zulieferer gesucht hat, der auch für andere sehr renommierte Plattenspielerhersteller fertigt. Einheitsbrei muss man deshalb noch lange nicht befürchten, denn hier wird für jeden Auftraggeber individuell gearbeitet. Deshalb ist der Dual, um den es heute gehen soll – der brandneue CS 718Q, denn auch einer wie kein anderer. Bei genauerem Hinsehen ganz klar ein Dual mit reichlich Anleihen aus den goldenen Jahren, andererseits jedoch auch eine eigenständige Konstruktion.  

CS 718Q 

Der CS 718Q* ist das neue Spitzenmodell unter den manuellen Plattenspielern bei Dual.


Das Headshell ist wechselbar, wodurch das Experimentieren mit Tonabnehmern erleichtert wird
Den Titel lässt man sich mit 2.500 Euro (ohne Tonabnehmer) bezahlen, allerdings liefert man dafür aber auch eine sehr potente Maschine. Es gibt ihn wahlweise mit schwarzem Lack- Finish oder in ein sehr dezentes Walnuss- Echtholzfurnier gehüllt, natürlich gehört eine klappbare Staubschutzhaube zum Lieferumfang, die sich, wie seit Jahrzehnten üblich, mit einem Handgriff entfernen lässt. Die Anfassqualität des Gerätes ist ausgezeichnet, ein Gesamtgewicht von zehn Kilogramm wirkt zudem vertrauenerweckend. So ganz „manuell“ ist der CS 718Q denn dann doch nicht, er verfügt nämlich über eine perfekt funktionierende Endabschaltung, die den Tonarm beim Erreichen der Auslaufrille anhebt und den Antrieb abschaltet. Das geschieht geräuschlos und mit perfekter Sicherheit. Ich habe nicht einmal erlebt, dass dieses Feature nicht zum korrekten Zeitpunkt abschaltet. Wer unbedingt mag, kann die Option auch deaktivieren – warum auch immer man das tun sollte.   

Das einzige Bedienelement des Laufwerks ist ein Drehschalter vorne rechts auf der massiven Zarge, mit dem die Geschwindigkeit vorgewählt wird – erfreulicherweise sind auch 78 Umdrehungen möglich. Der Antrieb startet, sobald der Tonarm per Hand zum Tellerrand geschwenkt wird. Die Startzeiten sind trotz Direktantriebs nicht so radikal kurz wie bei einem der berühmten DJ-Plattenspieler, aber das müssen sie hier auch nicht sein. Dafür ruht die Platte beim Dual auf einem 1,9 Kilogramm schweren Alu-Druckgussteller, der auf der Unterseite flächendeckend mit einer weichen Gummimischung beschichtet ist. Zum Lieferumfang gehört eine ebenfalls ziemlich dicke Gummimatte, auf der die Platte zu liegen kommt. Dieser Sandwich ist, im besten Sinne des Wortes, mausetot. Angetrieben wird das Ganze direkt, und das mittels eines ziemlich spannenden Motors. Bei der hochmodernen Konstruktion rotiert eine entsprechend magnetisierte Scheibe über einem Spulenpaket, das direkt auf der Motorplatine sitzt. Das Besondere daran ist, dass die Spulen gänzlich ohne Eisenkerne auskommen, was dem Antrieb jegliches „Rastmoment“ nimmt und für einen butterweichen Rundlauf sorgt. Durch den großen Durchmesser der Anordnung ergibt sich praktisch automatisch ein durchaus nennenswertes Drehmoment, das hier nicht mittels elektronischer Nachhilfe „herbeigeregelt“ werden muss, wie bei besagten DJ-Direkttrieblern. Der Antrieb des CS 718Q ist jedenfalls eine praktisch geräuschfreie und in der Praxis vollkommen problemlose Angelegenheit. Man braucht sich nicht um Riemenschlupf und damit verbundener Drehzahlungenauigkeit zu sorgen, das funktioniert einfach perfekt. Für Drehzahlkonstanz sorgt eine per Quarz gesteuerte Regelung, die Älteren unter uns mögen sich erinnern: Das war beim Erscheinen der ersten Direkttriebler ein großes Ding. Der Dual ist übrigens kein „richtiger“ Subchassis-Spieler, wie es seine glorreichen Vorfahren waren. Er ist in sich steif und solide und steht als Ganzes auf vier weichen, höhenverstellbaren Füßen, die für die nötige Entkopplung vom Untergrund sorgen. Nochmal spannend wird’s beim Thema „Tonarm“. Der ist nämlich einmal nicht „zentral“ gelagert, sondern residiert seitlich an einen „Turm“ angeflanscht. Solche Konstruktionen gibt’s ab und zu, sind aber in aller Regel deutlich teureren High-End- Typen vorbehalten. Der Vorteil der Anordnung besteht darin, dass man die ganze Chose bequem mit einem Dreh am oben angeordneten Knopf in der Höhe verstellen kann. Die Lagerung des Arms erfolgt klassisch kardanisch mit extrem leichtgängigen Kugellagern. Die offene „Gabel“, in der der Lagerblock hängt, ist eine Referenz an die Arme der alten Spitzenmodelle der 7er- Serie, die über ein ähnliches Bauteil verfügten.

Der CS 718Q ist das größte der manuellen Dual-Modelle - natürlich mit Staubschutzhaube


Sowohl die Auflagekraftverstellung als auch das Antiskating erfolgen hier nicht mittels Gewichtskraft, sondern per Feder. Das hat den Vorteil, dass die jeweiligen Parameter von der korrekt waagerechten Aufstellung des Gerätes deutlich unabhängiger sind. Das soll kein Freibrief dafür sein, den Dreher „irgendwie“ ins Regal zu stellen, aber es sorgt allemal für ein besseres Gefühl. Das Armrohr ist ein Alu-Carbon-Sandwich, das gleichzeitig leicht, steif und resonanzarm ist. An seinem Ende ist ein abnehmbares Headshell montiert. Auch wenn der Steckverbinder derselbe ist – man kann hier keine klassischen „SME“-Headshells montieren. Jene sind nämlich gerade konstruiert, während beim Dual die erforderliche Kröpfung via Winkel am Headshell realisiert wird. Sehr angenehm ist der Tonabnehmereinbau hier gelöst: Headshell und Abtaster lassen sich mittels der mitgelieferten Acryl- Einstellehre perfekt auf die korrekte Lage des Nadelträgers einstellen – eine wirklich sehr schöne Lösung. Dual setzt ohne Frage großes Vertrauen in die klanglichen Fähigkeiten des CS 718Q. Und so hat man unser Testexemplar auch gleich mit dem exzellenten Ortofon MC X50 ausgestattet, das zur Zeit überall für reichlich Aufruhr sorgt. Ein 1.500-Euro-MC an einem 2.500-Euro Plattenspieler? Das soll eine gute Idee sein? Ist es – und wie.   

Klang 

Bereits bei den ersten Tönen von Steely Dans Meisterwerk „Gaucho“ wird klar, warum kluge Köpfe den Direktantrieb erfunden und so perfekt in Szene gesetzt haben wie in diesem Falle: Um mit einem riemengetriebenen Plattenspieler ein solches Maß an Stabilität, Rhythmus und Timing hinzubekommen, muss man andernorts richtig viel Aufwand betreiben. Ich will nicht sagen, dass der Dual dem großartigen Sperling L-5 das Leben schwer macht, aber die klanglichen Parallelen zwischen beiden Geräten sind auffälliger als die Unterschiede. „Babylon Sisters“ swingt, atmet und sondert Beschwingtheit aus jeder Pore ab. Der Hintergrund mag beim Sperling noch ein bisschen rabenschwärzer sein, aber der Dual ist nahe dran. Verdammt nah. Das klappt auch mit deutlich gröberem Material wie Fjorts Post-Hardcore-Eskapaden. Erstaunlich, wie souverän der Dual durch das harte und kratzige Material navigiert, ohne jemals den Faden zu verlieren. Die Jazz-Supergroup LA4 schließlich bestätigt das Gehörte nur noch einmal, analytisches Hören wird zur Nebensache: Zurücklehnen und Genießen ist das Gebot der Stunde, über Klang nachzudenken ist hier schlicht überflüssig.  


Dual CS 718Q 

  •  Preis ca. 2.500 Euro 
  •  Vertrieb Dual, Fuchstal 
  •  Telefon 08191 915777-0 
  •  Internet www.dual.de 
  •  Garantie 5 Jahre 
  •  B x H x T 435 x 155 x 367 mm 
  •  Gewicht ca. 10 kg  


Mitspieler 

  • Tonarm:  Schick 12“ 
  • Tonabnehmer:  Ortofon MC X50
  • Phonovorstufen:  Alders & Lange Vinyl Engine 
  • Vorstufen:  Yamaha C4 / Manunca Classic Stereo Amplifier 
  • Endstufen:  Yamaha M4 
  • Lautsprecher:  Manger p2 / JBL L300 

Gegenspieler Plattenspieler: 

  •  Sperling L-5Vorstufen  

Gespieltes 

  • Steely Dan: Gaucho 
  • Fjort: Belle Epoque 
  • LA4: Jst Friends 
  • Psychlone: Warped Vision  

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Fazit

Der große manuelle Dual entpuppt sich als beeindruckendes Statement für das Thema Direktantrieb und verwöhnt mit kompromisslosem Klang, bester Fertigungsqualität und gelungener Rundum- Sorglosigkeit.

KategoriePlattenspieler
ProduktCS 718Q
HerstellerDual
Preis2500 Euro
Getestet vonHolger Barske
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

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Holger Barske
Redakteur / Tester

Holger Barske


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