Wenn ich gleich mit zwei neuen Begriffen ums Eck komme, mögt ihr denken: „Der Marketingquatsch hört auch nie auf.“ Verstehe ich. In diesem Fall sind es aber zwei echte Neuerungen.
Tonabnehmer Skyanalog P-1GC
Ok, eigentlich ist es nur eine, ein neuer, zum Patent angemeldeter Nadelschliff nämlich. Die andere ist nicht ganz neu und hat auch gar keinen Namen. Neugierig? Nun, der dazugehörige Tonabnehmer ist jedenfalls so neu, dass er, während ich das schreibe, noch nicht einmal auf der Skyanalog-Seite auftaucht. Dieses brandneue P-1GC wartet neben seinem neuen Schliff mit einem Keramiknadelträger auf. Aber gab es das nicht schon früher? Spontan fallen mir die Keramik-Headshells von SAEC und Korf Audio ein, der auch Armrohre aus Keramik einsetzt. Und es gibt einen von Jico in Japan produzierten Tonabnehmer mit einem Keramikbody, der die Form eines niederländischen Holzschuhs und die Farbe von Delfter Kacheln hat. Und dann natürlich das edle X-quisite Voro von Micha Huber, bei dem Nadelträger und Spulenkörper aus einem Stück Keramik geformt werden und das Gehäuse von einem Keramikgitter umnetzt wird. Am Ende meiner Recherche stoße ich dann noch auf das Charisma Audio Signature Two mit Keramiknadelträger für ungefähr 5000 Euro. Das Voro kostet übrigens mehr als 7000 Euro und das Skyanalog rund 800. Anfangs hatte ich die Vermutung, dass Skyanalog seine Nadelträger wie Micha Huber drucken lässt: Ceramic Additive Manufacturing nennt sich das, auf Deutsch 3D-Druck für Keramik. Das ist viel einfacher als das typische CIM (Ceramic Injection Molding), denn man muss dafür keine Werkzeuge bauen und die Technologie ist längst auch für solche Anwendungen präzise genug. Ein auf diese Art gefertigter Nadelträger soll besonders steif ausfallen und zudem praktisch ohne Eigenklang sein, da seine Oberfläche ganz besonders homogen ist. Micha Huber lässt seine fertigen, denn er hat nicht die Möglichkeiten, das selbst zu tun. Das tut die Firma Steinbach AG in Detmold für ihn, die Maschine dafür kommt von der Wiener Firma Lithoz, die sicher auch für Korf fertigt.
Wie macht es Skyanalog?
Meine Vermutung war falsch, denn ich habe erfahren, dass Skyanalog die Nadelträger nicht „druckt“. Wie sie es genau machen, wollte mir ihr Produktionsleiter Aaron nicht verraten. Aber er hat mir verraten, dass sie die Nadelträger von einem Hersteller beziehen, der auf Medizintechnik spezialisiert ist und logischerweise sehr homogene und werthaltige Werkstücke produzieren kann. Die Herstellung erfolgt in mehreren Schritten, Ausgangspunkt ist ein entsprechendes Pulver, das danach „geformt“ und weiterverarbeitet wird, also doch CIM. Nachdem ein Werkstück gesintert wurde, wird es sehr aufwendig poliert, damit besagte homogene Oberfläche entsteht.
Yin und Yang
Mit dieser Technologie experimentiert Skyanalog übrigens schon seit Jahren und hat auch die „Yan“-Aufhängung darauf abgestimmt.
Hier macht schon das Auspacken Spaß. Das System reist sicher gepuffert und hat sinnvolles Werkzeug dabei: Vorbildlich Über sie habe ich schon in meinem Bericht über das G-1 MKII in der LP 7/25 geschrieben. Um es kurz zu rekapitulieren: für diese Verbesserung sind etwa zehn Jahre Forschung unter der Leitung des Skyanalog-Gründers und Chefs Jack Leung ins Land gegangen. Das Zusammenspiel zwischen Faden und Gummi der Aufhängung wurde dabei maximal optimiert. Und die genaue Abstimmung der Yan-Aufhängung wird tatsächlich für jedes System neu bestimmt - das tut gerade bei so einem neuen Nadelträger Not. Es wird dafür übrigens ein synthetisches Gummi eingesetzt, dessen Eigenschaften sich sehr gut kontrollieren lassen. „Yan“ ist übrigens genau so eine schlaue Namensgebung wie die des neuen „Skyliptical™“- Nadelprofils, denn „Yan“ und „Sky“ finden sich beide im Firmennamen wieder.
“Skyliptical™ Was wie ein James- Bond-Titel klingt, ist der neue elliptische Skyanalog-Schliff.
Die offene Bauweise ist für Skyanalog typisch. Die Gewindebohrungen zum Glück auch Die „Line- Contact“-Oberfläche der Nadel wurde dabei vergrößert und so soll der Schliff nicht nur klanglich eine Verbesserung sein, er ist offenbar auch noch ökonomischer herzustellen. Ausgangspunkt ist ein Kunstdiamant, den ein Fachbetrieb für Skyanalog herstellt. Die Nadel wird dann mit dem hauseigenen „BLACK ADHESIVE“, einem schwarzen Kleber also, montiert. Er kommt in allen Skyanalog-Tonabnehmern zum Einsatz. In den letzten zehn Jahren gab es damit anscheinend Null Ausfallquote (sic!), was ich höchst bemerkenswert finde. Ich kann zum Schliff sagen, dass sowohl die Rillengeräusche sehr, sehr leise sind als auch die Detailfülle beachtlich. Oder anders: Die Kombination von Ruhe, homogenem Wohlklang, grob- und feindynamischen Abstufungen und perfekt eingebundenem Detailreichtum ist für diesen Preis ziemlich sensationell.
Details Die Produktionstiefe von Skyanalog ist beeindruckend. Auf einem Video der Analogtage 2025 kann man ihren CNC-Gerätepark bewundern. So werden zum Beispiel von einem Joch immer 90 Stück auf einmal produziert, wofür satte 17 Stunden CNC-Zeit anfallen. Der quadratische Spulenkörper ist aus Reineisen und wird lackiert, um chemische Prozesse zu verhindern. Das wird, wie auch das Wickeln der 6N OCC Kupferspulen, in der Firma von hochqualifizierten Frauen erledigt, was man auf dem Video sehr gut erkennen kann. Wie erwähnt, werden nur Nadelträger und Nadel nicht bei Skyanalog produziert, die Magnete sicherlich auch nicht. Für alle Systeme setzt Skyanalog Samarium-Kobalt- Magnete ein, weil es sehr energieeffizient und temperaturstabil ist und seine Magnetkraft lange behält. Das Gehäuse des P-1GC ist wie immer aus 6000er Aluminium feinst gearbeitet. So entstehen sehr rigide, schwingungsarme, nicht zu schwere Korpi. Und habe ich´s schon erwähnt? Ich stehe total auf dieses Skyanalog-Grün.
Und der Klang? Kennt ihr Jeff Parker? Der wunderbare, in L.A. basierte Gitarrist bringt regelmäßig Platten auf den Markt, die sich typischen Kategorien entziehen. Grundsätzlich ist das Jazz, aber dann? Fließt der Musikstrom auf eine ziemlich einzigartige und tatsächlich glücklich machende Art und Weise. Ist es ein Zufall, dass die letzte Scheibe mit seinem IVtet, wieder einmal hervorragend live aufgenommen ist und „Happy Today“ heißt? Diese Musik fließt, verwebt sich und braucht unbedingt einen Tonabnehmer, der dieses immersive Erlebnis erhält. Und genau das tut das P-1GC. Ich kann gar nicht genug betonen, dass das nicht selbstverständlich ist, dass oft genug gewisse Einzeldisziplinen hervorstechen, sich jedoch kein homogener Gesamtklang einstellt. Hier schon und dazu kommt so ein animierender, knarziger, holziger Bass, der mich live anspringt und den ich so tatsächlich zu Hause noch nie gehört habe. Und wir sind noch in der Einspielphase! Einige Scheiben später lege ich dann Room 29 von Jarvis Cocker und Chilly Gonzales auf, auch so eine Einspielung, die von ihrem intimen Livecharakter lebt und die Illusion eines Zimmers im Hotel Chateau Marmont in L.A. erzeugen soll. Wie schafft das Skyanalog P-1GC das? Überragend. Jarvis singt mitten im Raum mit seinem so sonoren Bariton, während Chilly mit seinen einzigartigen neoromantischen Akzenten seinen Flügel dazu singen lässt. Alles klingt gleichzeitig unglaublich subtil und realistisch, auch durch die Raumgeräusche, die eine perfekte Illusion erzeugen. Die Stille in der Rille, also die fehlenden Abtastgeräusche, erhöhen den Genuss zusätzlich und ich bin einfach nur begeistert.
Skyanalog P-1GC - Preis ca. 799 Euro
- Vertrieb TCG / Nordhorn
- Internet www.tcg-gmnh.de
- Telefon 05921-7884927
- Garantie 2 Jahre
- Gewicht ca. 10 g
Mitspieler - Plattenspieler: PTP Audio Solid 9 Speciaal Stadshout mit Schröder Nr. 2 SQ
- Vorverstärker: Air Tight ATC-1HQ
- Phonovorverstärker: Air Tight ATE-2005
- Endverstärker: Acoustic Masterpiece M-101
- Lautsprecher: De Vore 0/Baby
Gegenspieler - Gegenspieler: Lyra Argo i
Gespieltes - Jeff Parker ETA Ivtet: Happy together
- Carmell Jones: The remarkable Carmell Jones
- Sun Ra / Walt Dickerson: Visions
- Jarvis Cocker / Chilly Gonzales: Room 29
- Tedeschi Trucks Band: Future Soul