Zu behaupten, dass ich ein großer Freund des Themas „Kabel“ bin, wäre sicherlich übertrieben. Dennoch akzeptiere ich die Notwendigkeit, leitende Verbindungen zwischen HiFi-Komponenten zu schaffen. Und mich freut’s ungemein, wenn das auch mit vertretbarem finanziellen Aufwand gut klappt.
Cinch-/XLR-/Lautsprecherkabel von QED
Familiäres
Nein, das ist kein Thema, das mir von einem Vertrieb oder Hersteller nahegelegt worden ist. Sondern eines, das eine Art Quintessenz aus ziemlich intensiver Beschäftigung mit dem Thema „Kabel“ ist. Die Sache ist die folgende: In unserem Hörraum herrscht ein ziemlich buntes Leitungsdurcheinander. In vielen Fällen landet bei uns in der Anlage das, was halt gerade greifbar ist. Das ist in aller Regel durchaus gutes Material, aber halt nicht so homogen, wie wir’s gerne hätten, und außerdem ist die Leitung, die man gerade sucht, immer nicht greifbar. Der große Plan besteht also darin, uns ein zuverlässiges, universelles und nicht zu exotisches Kabelarsenal zu schaffen, mit dem wir unseren täglichen Bedarf zuverlässig und reproduzierbar gedeckt bekommen. Dabei sind die Begriffe „zuverlässig“ und „universell“ ganz oben auf der Prioritätenliste angesiedelt, „umwerfender Klang“ kommt eindeutig erst danach. Will sagen: Wir brauchen Leitungen, die den rauen Redaktionsalltag dauerhaft überleben und die zudem immer gleich klingen und nicht nur in bestimmten Konstellationen Außergewöhnliches leisten. Nach dem Durchforsten zahlreicher Angebote bin ich beim Programm des britischen Herstellers QED hängengeblieben. Die sind auf audiotaugliche Leitungen spezialisiert und machen das schon lange. Seit 53 Jahren, um genau zu sein – sowas kann ich ernst nehmen. Was ich an QED sehr mag, ist ihr „No Nonsense“-Ansatz. Hier gibt’s wenig highendiges Geschwurbel, die Produkte fußen alle auf im Grunde simplen physikalischen Fakten und sind zudem kostenmäßig in einem Bereich angesiedelt, der einem beim Studieren der Preisliste nicht die Schamesröte ins Gesicht treibt. Nach Absprache mit dem Vertrieb haben wir uns drei Leitungen zum Ausprobieren kommen lassen: das Cinchkabel „Reference Audio 40“ zu 189 Euro für einen konfektionierten Stereometer, das XLR-Kabel „Reference Evolution XLR 40“ für 289 Euro (1 Meter stereo) und das Lautsprecherkabel „Reference XT40i“, bei dem das 2x3m-Set für 249 Euro den Besitzer wechselt. Alles in allem immer noch eine Stange Geld für ein paar schnöde Verbindungskabel, aber weit entfernt von den branchenüblichen Künstlerhonoraren.
Das CinchkabelDas „Reference Audio 40“ fällt zunächst erst einmal durch seine grellrote Farbe auf, die dem ansonsten transparenten Kunststoffmantel geschuldet ist.
Rein optisch sind XLR- und Cinch-Kabel nur an den Steckern zu unterscheiden Die Leitung hätte für meinen Geschmack gerne etwas geschmeidiger sein dürfen, das Ding ist doch ein wenig sperrig und wirkt erst einmal nicht besonders hochwertig. Der Schein trügt jedoch zum Glück, denn konstruktiv sind hier durchaus ein paar gute Ideen eingeflossen. Das durch den Mantel scheinende Abschirmgeflecht ist das unverzichtbare verzinnte Kupfergeflecht, darunter sitzt noch ein Mantel aus einem ferritbasierten Material, das magnetische Schirmwirkung besitzt. Als Schutz gegen magnetische Störfelder (Netztransformatoren oder Ähnliches) ist das höchst willkommen. In Sachen Innenleiter setzt QED auf eine Kombination aus zwei verdrillten versilberten Leitern unterschiedlichen Durchmessers. Bei der mitgelieferten Erklärung, wonach die unterschiedlich dicken Leiter für unterschiedliche Frequenzbereiche zuständig sind, muss der Nachrichtentechnik- Ingenieur in mir allerdings ein bisschen grinsen: ein „Zweiwegekabel“ – so, so. 99,999-prozentiges Kupfer beeindruckt mich jetzt auch nicht übermäßig, aber „5N“ ist ein Anfang und leitet garantiert gut genug. Als Dielektrikum – also der „Füllstoff“ zwischen Leiter und Abschirmung – setzt QED Polyethylen niedriger Dichte (LDPE) ein, zweifellos ein gutes Material für den Einsatzzweck. Die „Analoc2“-Cinchstecker sind eine firmeneigene Konstruktion und – machen wir uns nichts vor – gerade so weit von WBTs „Nextgen“ entfernt, dass die Essener Patentanwälte die Füße stillhalten (müssen). In jedem Fall zeichnen sie sich durch eine sehr masse- und metallarme Konstruktion aus. Die Kontaktierung des Massekragens der Cinchbuchse erfolgt nur an zwei Punkten, das reduziert Wirbelströme. Meine klanglichen Erwartungen an das „Reference Audio 40“ hatten zugegebenermaßen Grenzen, tatsächlich aber sah ich mich diesbezüglich angenehm überrascht. Zwischen Phonovorstufe und Vollverstärker wusste die preiswerte Leitung mit einem sehr substanziellen und großräumigen Klangbild zu gefallen, das bestens durchsortiert wirkte und auch solche Kunststücke wie „Abbildungshöhe“ beherrschte. Der große Teil unseres Leitungssammelsuriums musste dagegen einfach passen. Es wirkte kräftig im Bass, aber nicht übertrieben und befleißigte sich einer glockenklaren, aber niemals nervigen Hochtonwiedergabe. Was will man mehr? Kommt auf alle Fälle auf die Wunschliste für unsere Hörraumneuverkabelung.
Die XLR-Leitung Auf den ersten Blick sieht das „Reference Evolution XLR 40“ dem Cinchkabel zum Verwechseln ähnlich – natürlich mit dem Unterschied, dass am Ende ordentliche Neutrik-XLR-Verbinder hängen.
Drei Einzeladern besorgen den Signaltransport beim XLR-Kabel Ganz klar ist mir nicht, warum die XLR-Variante satte 50 Prozent mehr kostet als das Cinchkabel, unterm Strich bleibt die Investition jedoch auch hier im Rahmen. Die Faktenlage zur vorliegenden „Evolution“- Variante der Leitung ist, sagen wir’s mal vorsichtig – dünn. Der generelle Aufbau scheint dem des „Reference Audio 40“ durchaus zu ähneln, allerdings führt QED hier offenbar einen dritten Signalleiter für die Masse mit, überlässt den Job also nicht dem Abschirmgeflecht. Kann man machen. Haptisch sind beide nicht zu unterscheiden, klanglich, ehrlich gesagt – auch nicht. Auch das XLR-Kabel klingt souverän, druckvoll, im besten Sinne ungefärbt mit erfreulicher Übersicht im Raum. Und richtig – das ist exakt das Pendant zu einer unsymmetrischen Leitung, das ich wollte.
Auf dem Weg zum Lautsprecher Das „Reference XT40i“ ist eines schonmal nicht – nämlich rot. Sondern silbern. Und im Gegensatz zu seinen Kleinsignalkumpanen schön flexibel. Es sieht ein bisschen aus wie eine schnöde Stegleitung aus dem Baumarkt – ist es aber natürlich nicht. QED hat die beiden Leiter so weit wie möglich voneinander separiert, was die Leitungskapazität reduzieren hilft. Der Aufbau der Einzelleiter ist dabei nicht so simpel, wie man meinen könnte: jeder Strang ist auf einen hohlen Kern gewickelt, was gewissermaßen einen „Kupferschlauch“ ergibt. Ein Leiterquerschnitt von vier mm² sorgt für ungehemmten Stromtransport, konfektioniert sind die Enden mit schlichten Bananensteckern der besseren Sorte. Klanglich verhielt sich das „Reference XT40i“ eher unauffällig, generell hatten wir den Eindruck, dass die Unterschiede zwischen ähnlich konstruierten Laut-sprecherkabeln so groß nicht sind. Das QED schlägt sich wacker, es wirkt etwas voluminöser und unspektakulärer als seine NF-Kollegen, ist angesichts des Preises aber auf alle Fälle eine gute Option.
Und jetzt?
Von den beiden Kleinsignalkabeln wird an dieser Stelle noch zu reden sein, die sind auf alle Fälle so gut und universell, dass wir dauerhaft damit arbeiten möchten. Bei den Lautsprecherleitungen ist die Entscheidung noch offen – wir werden berichten.
QED Reference Audio 40* / Reference Evolution XLR 40 / Reference XT40i- Preis ab ca. 159 / 249 / 219 Euro
- Vertrieb IDC Klaassen, Lunen
- Telefon 0231 22178822
- Internet www.idc-klaassen.com
- Garantie 2 Jahre
Mitspieler Plattenspieler:
Tonabnehmer:
Phonovorstufen:
Vorverstärker:
- Malvalve preamp three line
Endstufe:
Vollverstärker:
Lautsprecher:
- JBL L300
- Neuron Acoustics Trivion
Gegenspieler Cinch- / XLR- / Lautsprecherkabel:
Gespieltes - Kal-El: Astral Voyager Vol. II
- Miroslav Vitous: Mountain Call
- Mark Turner: Patternmaster
- Dominique Fild-Aimé: My World Is The Sun
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