Plattenspieler Thorens TD124 DD Exclusive im Test, Bild
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Einzeltest > Plattenspieler > 06.07.2026

Kunst und Können

Eines steht jedenfalls schon mal fest: Mit dem TD124 DD Exclusive wuchtet Thorens einen der schönsten Plattenspieler in den Ring, der für Geld und gute Worte zu erstehen ist.

Plattenspieler Thorens TD124 DD Exclusive

Historisches

Im Jahre 2026 noch die guten alten Zeiten der Plattenspieler-Ära herbeiseufzen zu wollen, ist vermutlich ein bisschen überholt. Und darauf zu pochen, dass ein „richtiger“ Thorens gefälligst von einem Riemen oder in ganz besonderen Fällen aus einer Kombination von Riemen und Reibrad angetrieben zu sein hat, ist aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls überholt. Und doch darf man sich mal kurz ins Gedächtnis zurückrufen, dass der Großvater unseres heutigen Probanden – der selige TD124 – ein Kombinationstriebler war, bei dem ein Reibrad den schweren Subteller in Rotation versetzte, der wiederum vom Antriebsmotor via Riemen angetrieben wurde. 1957 war das der absolute Gipfel der Antriebstechnologie, auch heute noch erfreut sich der Ur-TD124 in Vintage-Kreisen extremer Beliebtheit. Indes ein Exemplar zu finden, dass nicht unerträglich rumpelt, ist allerdings ein echter Auftrag und erfordert meistens eine Restauration durch einen der wenigen Spezialisten, die sich mit dem Gerät wirklich gut auskennen.

Jetztzeit

Anno 2026 steckt in der aktuellen Inkarnation des TD124 ein hochmoderner Direktantrieb, der mit Rumpeln und ähnlichen Phänomenen so gar nichts mehr am Hut hat. Das mit Tonarm 12.000 Euro teure Gerät steckt in einem piekfein polierten Holzgehäuse, von dem ich mal vermute, dass es sich bei der sehr dekorativen Oberfläche um eine fast wie ein Furnier anmutende Lackierung handelt. Auch sonst darf die Kombination von Farben und Formen als extrem gelungen gelten; die Gestaltung verbindet Tradition und Moderne absolut perfekt. Tatsächlich ist das gesamte Plattenspielerchassis identisch mit dem, das auch im aktuellen TD124 DD seinen Dienst verrichtet – mit einer Ausnahme: Der Plattenteller nämlich erfuhr beim Exklusivmodell ein nennenswertes Upgrade. Und so ist es nicht mehr nur eine 3,5-Kilogramm-Aluminiumscheibe plus Gummimatte, auf der das Vinyl zu liegen kommt, sondern besagte Aluminiumscheibe plus eine halbzentimeterdicke Kupfermatte. Die dürfte die Tellermasse um etwa ein weiteres Kilogramm erhöhen und außerdem eben jene „Kupfersachen“ machen, die Tellerauflagen aus diesem Material zu Legenden haben werden lassen – und zum Albtraum jedes Zerspaners, der das Zeug auf der Drehmaschine in Form bringen muss. Der Knebel vorne links schaltet die beiden Tellerdrehzahlen um – richtig, es gibt hier nach wie vor keine Schellack-Kompatibilität. Eine Referenz an den Ur-TD124 ist nach wie vor die „Tellerbremse“ links am Rand, mit der der Plattenteller tatsächlich merklich schneller abgebremst werden kann als mit dem Drehzahlschalter – auch wenn hier keine mechanische Bremse am Werk ist, sondern etwas „elektronische Nachhilfe“. Wer vom Direktantrieb des Thorens Beschleunigungs- und Bremswerte erwartet wie von den Müttern aller Direkttriebler – die Antriebe der Technics-DJ-Dreher – der sieht sich getäuscht. Das hier, das ist ein HiFi-Ding. Das muss nicht innerhalb einer Viertelumdrehung auf Nenndrehzahl sein und braucht auch keine Vollbremsungen mit quietschenden Reifen. Die Neugier trieb mich zu einer kurzen Messung, was der TD124 DD Exclusive mit bravourösen Werten dankte; Wow und Flutter lagen beide unter 0,02 Prozent – das muss erstmal jemand nachmachen. Auch stimmt die mithilfe des eingebauten Stroboskops eingestellte Drehzahl auf den Punkt – rein technisch ist dieser Antrieb praktisch nicht zu verbessern.

Tonarm

Plattenspieler Thorens TD124 DD Exclusive im Test, Bild
Der brandneue 12“-Arm ist eine Variante des bekannten TP124
Mit zwei standesgemäßen Schlitzschrauben an der rechten Laufwerksseite befestigt ist das Tonarmboard, das den brandneuen Arm namens TP124 mitbringt. Bei ihm handelt es sich um den ersten Zwölf-Zoll-Arm der „neuen Thorens-Zeitrechnung“ und er ist der Grund dafür, dass der Plattenspieler über so eine imposante Physis verfügt: 510 Millimeter misst er in der Breite, was bei der Planung der Unterbringung berücksichtigt werden will. Wie es sich für einen ordentlichen Zwölfzöller gehört, bringt der TP124 ein bisschen effektive Masse mit – mit 20 Gramm liegt er aber noch auf der zivilisierten Seite. Optisch eher schlicht, orientiert er sich konstruktiv am Neunzöller TP124, der auf dem „normalen“ TD124 DD seinen Dienst verrichtet. Bei beiden wird der Arm in der Vertikalen von spiel- und praktisch reibungsfreien Schneidenlagern geführt, für die horizontale Ebene kommen Kugellager zum Einsatz. Das leicht J-förmig gebogene Aluminiumrohr trägt am Ende ein SME-kompatibles Bajonett, was das Spielen mit unterschiedlichen Abtastern erheblich vereinfacht. Die Auflagekraft wird mit einer Mischung aus Gewichts- und Federkraft eingestellt: Mit dem verdrehbaren Gegengewicht bringt man den Arm in Waage, mit dem Einstellhebel auf der Oberseite des Lagergehäuses stellt man den gewünschten Wert ein. Das Antiskating besorgt eine Gewicht-plus-Faden-Anordnung der trickreicheren Art; das Gewicht verschwindet nämlich in einer Öffnung in der Armbasis. Die Armkonstruktion ist alles in allem eine zu erwartende Variante einer bewährten Konstruktion.

Tonabnehmer

Plattenspieler Thorens TD124 DD Exclusive im Test, Bild
Da stand Profi-Werkzeug Pate: Das Thorens-EMT erinnert an die legendären Studio-Abtaster von EMT
Während beim ursprünglichen TD124 DD noch eine Kombination mit einem eigens dafür konzipierten Tonabnehmer nach SPU-Bauart für Furore sorgte, wählte Thorens-Eigner Gunter Kürten diesmal eine Kooperation mit EMT, dessen Deutschlandvertrieb man praktischerweise ohnehin innehat. Dabei herausgekommen ist eine ganz besondere Abtastervariante, die sich im EMTtypischen Studiolook präsentiert: In bester „Tondosen“-Tradition bilden Abtaster und Headshell eine Einheit, die extra für den TP124 optimiert wurde. Mit 5.000 Euro zählt das Spezial-EMT ohne eigene Typenbezeichnung nicht eben zu den Schnäppchen, es weiß jedoch mit diversen Besonderheiten auf sich aufmerksam zu machen. Das beginnt bei dem ziemlich exklusiven Magnesium-Body, der trotz reichlich Materialeinsatz und damit verbundener Stabilität für ein Gesamtgewicht von moderaten 25 Gramm sorgt. EMT-Eigner Micha Huber hat für den großen Thorens denn auch einen ganz besonderen Abtaster geschaffen: Ein Rubin-Nadelträger findet sich zum Beispiel bei keinem anderen EMT-Modell. An dessen Ende sitzt in diesem Fall übrigens ein Gyger-Diamant mit einem speziellen Fine-Line-Schliff. Nadel und -träger bewegen einen Satz Spulen im Magnetfeld, der aus Golddraht gewickelt wird. Das resultiert in einer nominellen Ausgangsspannung von kernigen 0,8 Millivolt bei einer Schnelle von 5 cm/s. Ich bin ja großer Freund von Abtastern, die der Phonovorstufe ordentlich „Futter“ vorsetzen, was hier eindeutig gegeben ist. Auch wenn das klassische Tondosen-Outfit mit Lupe und „Zielstrich“ auf Auflagekräfte am oberen Ende der Skala schließen ließe – dem ist nicht so: Das Thorens-EMT begnügt sich mit sehr durchschnittlichen 20 Millinewton. Der Innenwiderstand des Generators liegt mit 12 Ohm ebenfalls im sehr „normalen“ Bereich, die empfohlene Lastimpedanz von 100-120 Ohm passt auch für so ziemlich jede Phonovorstufe. Und da der TD 124 DD Exclusive erfreulicherweise mit einem Anschlussfeld ausgestattet ist, das sowohl den unsymmetrischen wie symmetrischen Signalanschluss ermöglicht, freute sich die großartige Alders & Lange-„Vinyl Engine“ aus dem letzten Heft über die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten bei XLR-Beschickung unter Beweis zu stellen.

Klang

Ich sag’s mal so: Ach du Sch… Was ist das denn? Das ist ja nun beileibe nicht der erste direkt angetriebene Thorens, der mir unterkommt, aber das hier? Das ist ernst! Auf dem gegen Fingerabdrücke lackierten Kupferteller liegt eine nicht eben taufrische Kopie von Steely Dans „Pretzel Logic“, wir hören das Titelstück. Ganz klar eines der rockigeren Stücke aus dem Portfolio der Kultband. Spätestens der Einsatz des EBasses lässt aufhorchen: So knorrig, direkt und energisch klingt das doch sonst nicht? Die nächste Überraschung stellt sich ein, wenn der Gesangspart mehrstimmig wird: Hier kann man tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass da mehr als die Herren Becker und Fagen in perfekter Harmonie am Werk sind. In der Realität ist das auch so, denn Eagles- und Poco-Bassist Timothy B. Schmidt singt hier noch mit. Was ein HiFi-Setup tatsächlich nur sehr selten aufzudröseln in der Lage ist – hier geht das erfreulich locker. Wie hervorragend sich Schub und Feinsinn beim Thorens miteinander verbinden, hört man auch auf Wishbone Ashs Meisterwerk „Argus“ sehr deutlich. Auch hier fällt die perfekte Separierung der verschiedenen Gesangsstimmen („Time Was“) auf. Der wunderbar authentische Bass sorgt auch hier für perfektes Siebziger-Feeling. Bei Wishbone Ash kommt noch die Aufgabe hinzu, die mehrstimmigen Gitarrenparts fein säuberlich unterscheidbar zu machen. Das gelingt – kaum überraschenderweise – mit Bravour. Und so darf der TD 124 DD Exclusive in Kombination mit dem EMT-Abtaster als zwar nicht ganz billiges, aber brutal überzeugendes Statement in Sachen Plattenspieler gelten. Der hätte gerne noch länger bleiben dürfen. 

Mitspieler
Phonovorstufen:
  • Alders & Lange Vinyl Engine VE-100 F
Vollverstärker:
  • Symphonic Line RG14
Lautsprecher:
  • JBL L300
  • Ulber Audio Mira

Gegenspieler
Plattenspieler:
  • Transrotor Massimo Nero / Studio 12“

Gespieltes
  • Steely Dan: Pretzel Logic
  • Wishbone Ash: Argus
  • Crippled Black Phoenix: Great Escape
  • Long Distance Calling: The Phantom Void




Fazit

KategoriePlattenspieler
ProduktTD124 DD Exclusive
HerstellerThorens
Preis12000 Euro (Laufwerk mit Arm) / 5.000 Euro (Tonabnehmer)
Getestet vonHolger Barske
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

Logo LP:Magazin

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