Ich liebe Fachgeschäfte. Leider sterben sie zunehmend aus, aber es gibt sie noch, die spezialisierten Händler und Hersteller. So wie Karlo Klein, der seinen Übertrager speziell für den Gebrauch mit EMT-Tonabnehmern ausgelegt hat.
MC-Übertrager Klein Technik SUT110
Die Idee, einen Übertrager für nahezu alle denkbaren Tonabnehmer im Programm zu haben, ist nachvollziehbar, in der Praxis aber fragwürdig. Gerade bei Übertragern sollte man qua Übersetzungsverhältnis auf die angepeilten Tonabnehmer zielen, die sich grob gesagt in nieder- und hochohmige Exemplare aufteilen. Und genau so macht es Karlo Klein mit seinem SUT110 für hochohmige MCs. Der Übertrager heißt so, weil sich hinter SUT „Step-Up- Transformer“ verbirgt und er ein Übersetzungsverhältnis von 1:10 hat. Haben wir das schon mal geklärt. Karlo Klein macht kein Geheimnis daraus, dass er die Systeme von EMT besonders schätzt und dafür ist sein Übertrager eben optimiert. Man kann ihn aber auch prima für andere hochohmige Systeme, wie zum Beispiel das klassische Denon DL-103 einsetzen, was ein kurzer Check bestätigt hat.
Vorspiel
In einem ausgesprochen netten Gespräch mit Karlo Klein habe ich dann direkt begriffen, warum mir sein Übertrager so gut gefällt: der Mann ist feinfühlig und interessiert sich vor allem für eines: für guten Klang. Er schreibt dazu auf seiner Website: „Meine wichtigsten Werkzeuge sind mein musikalisches Gedächtnis und mein Gehör.“ Dort steht auch noch, dass er „Techniker mit Leib und Seele“ ist. Ich hätte vielleicht Handwerker geschrieben, aber die Richtung ist klar. Seinen Berufsweg begann er als Kfz-Elektriker, um dann über die Entwicklung und Fertigung von komplexen medizinischen Geräten (u.a. zur Beatmung) zum Universitätsklinikum Freiburg zu kommen. Aber der Virus, dieser unheilbare HiFi-Virus, begleitet ihn wie mich auch schon sein ganzes Leben. Bekannt geworden ist Klein durch Antriebe für unterschiedliche Hersteller und dann auch sein eigenes, schickes und sehr feines Laufwerk. Zudem baut er eine gute Phonovorstufe und jetzt eben auch einem MC-Übertrager. Ein Wort zu meinem Titel: bislang gab es jede Farbe im Klein Technik Kosmos, wenn sie nur Silber war. Der SUT110 ist das erste Klein Technik Gerät in Schwarz.
Entwicklung
Die Übertrager selbst lässt er in Deutschland von einem Fachmann aus der Studiotechnik wickeln, der früher auch für EMT Übertrager gebaut hat.
Ok, da geht noch was in Sachen Siebdruck. Aber die Silber-WBT-Buchsen haben es klanglich in sich Da Klein wie angesprochen EMT-Fan ist, war dieser Weg ein kurzer. Mit seinem Partner hat er die Eckpunkte seines Übertragers diskutiert, Schirm und Masseführung optimiert, und ihn dann nach Gehör abgestimmt und finalisiert. Details wie Drahtstärke, Kernmaterialien oder ähnliches möchte er dabei gar nicht ausbreiten - fein für mich. Nur so viel: es ist ein Kupferübertrager und er hat keine Ringkerne. Mit denen hat es Karlo Klein nicht so, ihre häufig anzutreffende kapazitive Kopplung stört ihn. Es gibt eine maximal kurze Direktverdrahtung zu den optionalen Silber-WBT-Nextgen Buchsen. Die empfiehlt er aber nur dann, wenn man keine vergoldeten Stecker am Kabel hat, sonst beißen sich die Materialien und ihr Vorteil geht flöten. Diese Buchsen sollen in der Tat für einen klanglichen Akzent sorgen, wie mir Karlo Klein erzählte. Gerade der Mittelhochtonbereich klinge damit präsenter, luftiger. Spannend finde ich das, denn diese Unterscheidung, wiewohl subtil aber eben doch hörbar, erlebe ich häufiger beim Hören von richtig guten Silberkabeln oder Übertragern mit Silberwicklung. Cool, dass das auch so zu gehen scheint, denn der SUT110 hat nach meinen Hörerfahrungen damit genau diese Eigenschaften.
Hören? Ich habe zu Hause kein EMT, aber mein Allaerts ECO MKII springt in die Bresche. Es wurde einmal als EMT im Sonntagsanzug bezeichnet, da Allaerts zumindest früher EMT-Generatoren eingesetzt hat. Da es nach wie vor 22 Ohm Spulenimpedanz hat, könnte das immer noch so sein. Üblicherweise höre ich es mit meiner Air Tight ATE 2005 Phono vor stufe und zwar mit ihrem aktiven Vorvorverstärker. Das passt elektrisch und akustisch einfach perfekt. Hier muss sich der Klein Technik Übertrager schon strecken, zumal das Allaerts bei der Qualität eines Übertrager durchaus kritisch ist. Dafür spiele ich mit den Anpassungswiderständen herum. Dazu ein kleiner…
… Exkurs Die Rechnerei um die Anpassung von MC-Tonabnehmern an Übertrager ist auch akademisch. Ja, es gibt Formeln, mit deren Hilfe man sich den Idealen nähern kann und sicher sollte man die Verwendung nachgeschalteter Tonabnehmer eingrenzen. Dass die Basisparameter stimmen müssen, versteht sich von selbst. Doch mit meinem Consolidated Audio Übertrager machen Anpassungswiderstände keinen rechten Sinn, er klingt damit eher schlechter, als besser. Vielleicht weil er so transparent ist und jeder zusätzliche Eingriff eine hörbare Bedämpfung bedeutet, ich weiß es nicht. Ich kann es jedenfalls hören. Was ich aber ebenfalls hören kann, und da treffe ich mich mit Karlo Klein, ist dass das Allaerts mit einem Anpassungswiderstand an seinem Übertrager besser klingt. Woran das genau liegt kann ich nicht wirklich sagen. Mein Allaerts ist ja knapp halb so laut wie ein typisches EMT und das bedeutet noch einmal rechnen: mit einem Abschlusswiderstand meiner Phonovorstufe von 47 kOhm und dem 1:10 Übersetzungsverhältnis des Klein Technik Übertragers (20db) ergibt sich eine effektive Impedanz von 470 Ohm, was für das Allaerts viel zu viel ist, denn es möchte gerne 100 Ohm haben. Ginge ich allerdings auf 1:20 wäre es mit seinen 0,6 mV Ausgangsspannung etwas laut. Jetzt kommt der Klein daher und zack, mit einem 130 Ohm Anpassungswiderstand klingt es herausragend. Kommen dabei 100 Ohm heraus? Nein. Es stellt sich also heraus, dass reines Rechnen ebenso wie reines Messen nicht das Ende des Hörens ist, es nicht sein kann. Denn die Wechselwirkungen zwischen Impedanz und Ausgangsspannung des Tonabnehmers, dem Übersetzungsverhältnis des Übertragers und dem parallel geschalteten Anpassungswiderstand ist eine komplexe. Lassen wir es dabei, ich höre jetzt Musik, bevor ich vor lauter Rechnerei und Nachdenken die Lust dazu verliere. Und dafür könnte der SUT110 nun mal gar nichts.
Anpassungsfähig Stimmt ja gar nicht, das Thema Anpassung verlässt uns noch nicht ganz. Karlo Klein ist ja anders als ich der Überzeugung, dass ein Übertrager anpassbar sein muss, sonst wäre seine optimale Funktion wie er sagt “Glücksache“. Sein Hauptargument dafür ist, dass er mehr als nur einmal eine Phonovorstufe in Händen gehabt habe, die keine 47 kOhm, sondern 56 kOhm oder 39 kOhm aufwiesen. Ich geb’s zu, das ist mir neu, aber auf Nachfrage bei Christian Isenberg stellte sich heraus, dass die Lavardin Phonostufen 56 kOhm haben. Also: Augen auf bei der Anpassung. Bei der Entwicklung des SUT110 hat Klein unterschiedlichste Möglichkeiten ausprobiert, wie man Anpassungsstecker und/ oder Buchsen ausführen kann. Seine Entscheidung für D-SUB 9Pol Buchsen und Stecker ist durchaus überraschend, weil ich das sonst noch nie gesehen habe. Sein Argument sind die Kontaktsicherheit und der nicht vorhandene Hype trotz ihrer Qualität, da sie nicht audiophil konnotiert sind. Sie sind leicht erhältlich, kosten praktisch nichts und arbeiten sehr kontaktsicher - was kann man daran nicht mögen? Die Anpassungswiderstände arbeiten übrigens sekundär, weshalb die D-Sub-Buchse auch unter den Ausgangsbuchsen für den kürzesten Signalweg platziert ist. Drei Stück nach Kundenwunsch gehören zum Lieferumfang. Wie erwähnt rastet das Allaerts mit einem Abschlusswiderstand von 130 Ohm endgültig ein: die göttliche Summertime- Version vom letzten Livealbum des Modern Jazz Quartet schwebt genau im richtigen Maß, wunderschön farbig, leicht, elegant und authentisch.
Mehr Musik Johnny Cashs unfassbare Version von Desperado klingt weich, elegant wie im feinsten Zwirn, sehr berührend, farbig und authentisch. Das muss ich sofort noch einmal hören. Und ja, auch beim zweiten Mal geht es mir genau so. Play Bach habe ich länger nicht gehört, aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich diese Musik einmal so wunderbar, so 3D-haft erleben durfte. Wie zart, beinahe watteweich Pierre Michelot seinen Bass zupft finde ich echt unerhört. Dabei bleibt die Signatur des Instruments immer perfekt konturiert und verschwimmt nicht etwa im Wohlklang. Mir kommt es so vor, als komplementiere der Klein SUT110 mein Allaerts ideal. Er bringt genau das zum Vorschein, was das System so unverwechselbar macht: Attacke mit Stil sozusagen. Wie ein Daimler Double Six (die Edelvariante des Jaguar XJ12) gleitet seine Fritz Gyger II Nadel schier unhörbar durch die Rille, herrlich sanft und immer bereit zum Sprung - wie die Autokatze eben auch. Und ja, ich habe noch ein EMT damit probiert, das JSD6 in unserem famosen Thales Elegance. Und das funktioniert, wie eigentlich schon erwartet, ebenfalls hervorragend. Auch mit härterer Musik wie zum Beispiel Bad Companys Can´t Get Enough bekomme ich hier Attacke, Klangfarben, Raum und Emotion. Das ist alles in der Musik, es holt aber nicht jeder heraus.
Mitspieler Plattenspieler:
Tonarm:
Tonabnehmer:
- Allaerts MC1 Eco MKII
- Denon DL-103 GL
Vorverstärker:
Endverstärker:
- Eternal Arts OTL Mark III Commemorative Edition
Lautsprecher
Gegenspieler Phonovorverstärker:
Gespieltes - Johnny Cash: American IV: The Man Comes Around
- Bad Company: Bad Co
- Play Bach: Jaques Loussier Trio
- Modern Jazz Quartet: The Last Concert
- Jeff Parker ETA IVtet: The Way Out of Easy