Phasemation hat in den vergangenen Jahren richtig Gas gegeben: neue Produkte, neue Qualitätsniveaus. Nun ist ihr bestverkaufter Übertrager erneuert worden. Hat sich das gelohnt?
MC-Übertrager Phasemation T-600
Einen MC-Übertrager zu wickeln ist an sich nicht schwierig. Wie man das machen sollte, ist bekannt, aber gerade darin liegt die Crux: man kommt mit dem Standard einfach nicht wirklich weit. Deshalb hat jeder Hersteller sein Hausrezept und Phasemation macht da natürlich keine Ausnahme. Nun haben sie anscheinend alles überprüft, um die Qualität noch weiter zu steigern, dazu gleich mehr. Was sie aber grundsätzlich von anderen Herstellern unterscheidet, ist die postulierte Breitbandigkeit ihrer Übertrager. Damit stellen sie quasi das Gegenteil des Klein Technik SUT110 Übertragers dar, der mehr oder weniger auf einen Tonabnehmer optimiert ist. Und das ist auch das Gegenteil der Lehrmeinung, dass man eben nicht Tonabnehmer von 1.5-40 Ohm ohne weitere Anpassung betreiben kann. Wie soll das gehen? Das habe ich die Männer in Japan natürlich gefragt.
Fragen und Antworten
Soll ich euch direkt die Antwort geben? Moment mal, so schnell geht’s auch nicht. Ich will mal eben verdeutlichen, um was es mir in meinem Titel geht. Die avisierte Breitbandigkeit des T-600 erinnert mich an die eines guten Breitbänders, besser Breitbandlautsprechers. Das ist, für die es nicht wissen, ein einzelnes Chassis, dem zugetraut wird, sämtliche Frequenzbänder übertragen zu können. Ich hatte viele davon und das funktioniert mal schlechter, mal besser. Hundertprozentig ideal kann das nie sein, gewisse Frequenzbereiche bleiben, egal wie gut durch das Gehäuse unterstützt, immer mehr oder weniger unterbelichtet. Der große Vorteil solcher Breitbänder hingegen ist ihre potentielle Homogenität, der Klang aus einer Quelle, der Verzicht auf eine Weiche. Und das kann so charmant, so überzeugend sein, dass man vergisst, auf Defizite zu hören, wenn die Vorteile überwiegen. Nun will ich nicht von Defiziten sprechen, wenn es um den T-600 geht, aber ihr versteht das Bild. Ich kann es auch anders formulieren: legt man seine postulierte Breitbandigkeit nicht auf die Goldwaage, zeigt er seine wahre Stärke.
Fokus
Der T-600 markiert die Mittelklasse bei Phasemation und löst das Erfolgsmodell T-550 ab.
Cinch- und XLR-Ein- und Ausgänge sind eine tolle Option und auf der Front schaltbar Darunter gibt es aktuell den T-320 für etwa 800 Euro und darüber nur noch den großen, zweiteiligen T-2000, der dann bereits sagenhafte 11500 Euro kostet. Phasemation schrieb mir, dass sie daran momentan nichts ändern wollen, anscheinend ist ihnen dazwischen einfach kein Modell eingefallen. Nur das eine oder andere zu bauen, um die Lücken zu füllen, wäre ja auch mehr als dämlich. Nehmen wir es einfach zur Kenntnis. Der T-600 verstärkt mit 26db, das entspricht also einem Übersetzungsverhältnis von 1:20. Ich erspare euch jetzt Rechenorgien, das Thema habe ich in meinem Bericht über den Klein Technik SUT110 Übertrager ganz gut abgedeckt. Und es spielt ja hier eigentlich keine Rolle, wenn man Phasemation glauben will. Denn der T-600 soll sämtliche Tonabnehmer zwischen 1.5 und 40 Ohm adäquat verstärken können. Dafür setzen sie einen überdimensionierten Kern (EI35) ein, um eine ausreichende Induktivität zu gewährleisten. Wie schon angedeutet, halte ich das für ein wenig optimistisch und würde persönlich bei niederohmigen Tonabnehmern bleiben. Aber natürlich habe ich nachgefragt und Phasemation schrieb mir: “Streng genommen fällt der Hochfrequenzbereich bei 40 Ohm leicht ab, aber wir halten dies für akzeptabel.“ Es ist also wie bei Breitbändern: es geht ganz viel, alles geht auch nicht. Natürlich habe ich auch ein Denon DL-103 (40 Ohm) damit probiert und das funktioniert erstaunlich gut, ich habe jedenfalls nichts vermisst. Da seht ihr, es hilft nur ausprobieren.
TechnikVerantwortlich für die Entwicklung des T-600 ist der Phasemation-Entwicklungsleiter Yoshikazu Saito. Nun ist es ja nicht so, dass die Phasemation Übertrager bislang schlecht gewesen wären, ganz im Gegenteil. Schon die Modelle der Vorgängerfirma Phase-Tech haben bis heute treue Fans. Aber die Firma ist so gepolt, dass sie konstant alle Parameter ihrer Produkte auf den Prüfstand stellen. So auch im Fall des T-600. Er arbeitet mit sogenannten EI-Kernen, das sind Bleche in E und I-Form, die abwechselnd aufeinander gestapelt werden. Die Dicke dieser Bleche kann einen Anteil an der Auflösungsfähigkeit eines Übertragers haben. Das Kernmaterial ist das in Japan so genannte Super Permalloy, das anderswo High Nickel genannt wird. Es bezeichnet einen Nickelanteil von etwa 80 %, im Fall des T-600 sind es 78 %. Beim Wickeln hat Phasemation nun sowohl die Spannung der Drähte als auch die Geschwindigkeit der Wickelmaschine reduziert, was eine gleichmäßigere Wicklung ermöglicht. Für die Primärwicklung wird nach wie vor 0.32mm und für die Sekundärwicklung dann 0.12mm feiner Kupferdraht verwendet. Hier gab es nichts zu verbessern. Das kupferbeschichtet Edelstahlgehäuse ist sehr gut geschirmt und ruht auf weichen Füßen, die allfällige Vibrationen bedämpfen können. Auch wenn so ein Übertrager von Phasemation durchaus massiv daherkommt, verstärkt er am Ende des Tages winzig kleine Signale vom Tonabnehmer mit sehr dünnen Käbelchen. Da kann man gar nicht genug auf maximale Signalreinheit achten.
Die Praxis Ich darf etwas zugeben: ich habe bisher nie recht verstanden, wozu dieser „Pass“- Schalter wie auf der auf der Front des T-600 gut sein soll. Nun habe auch ich es kapiert: man kann in dieser Schalterstellung einen MM-Tonabnehmer betreiben, ohne gleich umverkabeln zu müssen: praktisch. Ach so, ihr wusstet das schon? T´schuldigung. Ebenfalls praktisch und neu ist, dass Eingang und Ausgang sowohl für Cinch- als auch XLR-Kabel ausgeführt sind, was man auch auf der Front umschalten kann. Mit den Massekabeln darf man etwas experimentieren. Wie es Phasemation in der sehr guten BDA beschreibt: es gibt keine 100 %-ige Empfehlung, es hilft nur probieren, ob das Tonarm-Massekabel fürs Erdungsmanagement ausreicht oder ein zweites zur Phonovorstufe geführt werden muss. Bei mir war das so.
Klang Obwohl er vorher nur ein paar Stunden gespielt hatte, schien der T-600 keine lange Einspielphase zu brauchen. Schnell war ein sämiger Bass da, auch sonst hörte sich die Gewichtung der unterschiedlichen Frequenzbereiche stimmig an. Ich habe den T-600 mit meinen Lyra-Tonabnehmern, aber vor allem mit dem Koetsu Urushi Black gehört, denn die beiden schienen sich besonders gut zu vertragen. Und was bedeutet das? Nun mit dem T-600 entfaltete das Koetsu, was mir fast schon typisch für Phasemation Produkte erscheint, eine Art freundlich zugewandten Wohlklang. Da tönt nichts harsch, spitz oder komprimiert. Auf der anderen Seite wirkt der T-600 auch nicht besonders analytisch oder außerge-wöhnlich transparent. Es ist gar nicht so einfach, ihm Eigenschaften zuzuordnen und das ist ein Kompliment. Davon abgesehen muss auch eines klar sein: wenn der T-600 alles könnte, bräuchte es keinen T-2000 mehr. Johnny Cashs Version von „The Mercy Seat“ besticht mit Druck und Präsenz, der Mann ist ganz da und erzählt diese erschreckende Geschichte mit all der brüchigen Teilnahme, die es braucht. Oder „Go Your Own Way“ von Fleetwood Mac. Diese ewig grandiose Nummer hat genau den richtigen Drive, die richtige Staffelung und den nötigen Rhythmus. Musik, die mir etwas bedeutet, muss von den Wiedergabegeräten im Kern so erfasst werden, dass sie mich immer wieder neu berührt. Stellt euch das wie beim Essen vor: stimmt eine Zutat nicht, schmeckt es anders oder gar nicht. Der Phasemation T-600 ist eine dieser Zutaten, die jedes Essen schmackhafter machen.
Mitspieler Plattenspieler:
Tonarm:
Tonabnehmer:
- Lyra Delos; Koetsu Urushi Black
Vorverstärker:
Endverstärker:
Lautsprecher:
Gegenspieler Phonovorverstärker:
- Consolidated Audio 1:20 AG / Nano
Gespieltes - Johnny Cash: American III: Solitary Men
- Fleetwood Mac: Rumours
- Edward Elgar: Nursery Suite
- Jamie Saft: loneliness road
- The Allman Brothers Band: Live at Fillmore East