Nun ist die Praxis, den geringen Pegeln von MC-Tonabnehmern mit Übertragern auf die Sprünge zu helfen, ja keine wirklich seltene. Interessant wird‘s, wenn tatsächlich leise Abtaster im Spiel sind, die viel Verstärkung brauchen
Test MC-Übertrager Fonolab DECVS
Die erste Auffälligkeit beim Umgang mit dem Fonolab-Übertrager „DECVS“ stellte ich auf seiner Unterseite fest. Dort gibt‘s nämlich ein Typenschild mit den technischen Daten. Und einen ausgesprochen guten Hinweis, den wir gerne an dieser Stelle weiterreichen: Diesen Übertrager bitte nicht mit einem konventionellen Multimeter durchmessen. Damit würde der Kern aufmagnetisiert, was wir auf keinen Fall wollen. Das ist völlig korrekt, denn diese Messgeräte arbeiten mit Gleichspannung, die bei diesem Gerät so gar nichts zu suchen hat. Und einen so „aufgeladenen“ Kern wieder zu demagnetisieren, ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Also: nicht machen.
Fonolab ist eine junge tschechische Firma, die sich auf transformatorbasierte Komponenten spezialisiert hatFonolab ist ein in Prag ansässiges Unternehmen und der Leitung eines Mannes namens Jan Snegov, der dort auch als Konstrukteur agiert. Insbesondere die MC-Übertrager aus diesem Hause haben sich in der jüngeren Vergangenheit einen exzellenten Ruf erwerben, also wollten wie mal nachhorchen, was an dem Nimbus dran ist. Jan Snegov schickte uns das Modell „DECVS“, was eine stilisierte Version des lateinischen Wortes „Decus“ darstellt, zu Deutsch etwa Zierde, Schmuck, Ehre. Bei diesem ziemlich pragmatisch wirkenden Metallkästchen handelt es sich um einen Spezialisten für Tonabnehmer mit ausgesprochen wenig Ausgangsspannung. Davon gibt‘s so viele nicht, so dass es sich hier um eine Konstruktion für echte Spezialisten handelt. Der DECVS verstäkt das ankommende Signal um satt 31 Dezibel. In Verbindung mit einer MM-Phonovorstufe, die vielleicht so 40 Dezibel liefert, kommen wir in Summe auf stattliche 71 Dezibel. Das sind die Regionen, in denen sich Abtaster mit 0,1 Millivolt nomineller Ausgangsspannung wohlfühlen. Es gibt ein paar SPU-Modelle, die derart wenig Spannung liefern, ganz besonders „berüchtigt“ sind bestimmte Audio Note-Abtaster, die sogar noch darunter liegen. Mit 100 µV am Eingang liefert der DECVS 3,6 Millivolt an die Phonovorstufe dahinter – das passt perfekt.
Um kurz das Thema „Abschlussimpedanz“ anzuschneiden: Die 47 Kiloohm Eingangsimpedanz der folgenden Stufe transformiert der DECVS auf einen Wert von runs 36 Ohm, den der angeschlossene Tonabnehmer „sieht“. Das dürfte für die in Frage kommenden Kandidaten ebenfalls passen.
Beim DECVS sind auch die Cinchbuchsen symmetrisch beschaltetAuf der Rückseite des DECUS finden wir die üblichen Anschlussbuchsen im Cinch-Format und ein Paar XLR-Ausgänge. Tatsächlich ist das Gerät ein komplett symmetrisches Design, will sagen: Auch die Cinchbuchsen sind symmetrisch beschaltet. Konsequente Symmetrie ist für den Entwickler ein wesentlicher Punkt, den er mit aller Konsequenz durchgesetzt – dazu kommen wir noch. Zwei Kippschalter an der Rückseite erlauben die Wahl des XLR- oder Cinch-Ausgangs, der andere ist ein „Ground Lift“, sprich: Hier kann man entscheiden, ob die Signal- mit der Gehäusemasse verbunden sein soll. Wie man das macht? Ganz einfach: Wenn’s in einer Schalterstellung nicht brummt, ist das die richtige.
Jede der beiden Abschirmkappen enthält gleich zwei Signaltransformatoren
Außer ein bisschen Verdrahtung und zweier Widerstände gibt‘s nichts im GeräteinnerenEntfernt man den schwarz gepulverten Stahldeckel vom Gehäuse, kommen zwei ziemlich ausladende lilafarbene „Dosen“ zum Vorschein, die von einem Aluwinkel gehalten werden. Ich jeder Dose stecken gleich zwei Übertrager – hier kommt die konsequente Symmetrie ins Spiel: Jan Snegov spendiert jeder Signalphase ihren eigenen Umspanner. Jene sind selbstverständlich selbst gewickelt und sind dreifach gegen äußere Einflüsse geschirmt. MU-Metall ist ein wesentlicher Werkstoff an dieser Stelle. Snegov setzt bei seinen Trafos auf klassische laminierte EI-Kerne.
Sonst ist nicht allzu viel drin im Gehäuse außer dem „Signal-Routing“ an die verschiedenen Buchsen und Schalter und zweier Widerstände.
Für Snegov ist ein Übertrager ein „Gesamtkunstwerk“ aus allen beteiligten Parametern. Das schließt die symmetrische Signalführung mit ein, die Konfiguration der Trafos selbst, die Abschirmung, Masseführung und die mechanische Ausführung ebenso.
Gerade bei so hoch verstärkenden Anordnungen ist das ein schwieriges Unterfangen, das seinen Preis hat: Der DECVS wechselt für 3750 Euro den Besitzer.
Bei der Suche nach einem passenden Spielpartner musste ich ziemlich tief im Tonabnehmerregal suchen. Fünig wurde ich mit dem wunderbaren „Sculpture A MC 5.3“ aus Frankreich, dass wir bereits 202 hier vorgestellt haben – ebenfalls im Team mit einem hoch verstärkenden Übertrager. Bei ihm handelt es sich um einen waschechten 100-Muukrovolt-Abtaster – also genau das, was wir hier brauchen. Meine Röhrenphono ist mit dem daraus resultierenden Pegel wunschlos glücklich.
Das Setup des Ganzen war nicht allzu problematisch, ein gewisses Maß an Sorgfalt ist aber dennoch geboten. In der Nähe von Netzteilen hat ein so hoch verstärkender Übertrager nichts verloren, bei mir landete er schließlich auf einem Hocker ein Stück hinter dem Rack. Dann allerdings herrschte paradiesische Ruhe. Und das in jeder Hinsicht: Rauschen ist bei Übertragerbetrieb auch mit solchen Abtasterpreziosen überhaupt kein Thema, musikalisch halte ich eine solche Lösung jeder elektronischen Variante für überlegen. Und so spielten Sculpture A und fonolab denn auch wunderbar geschmeidig, elegant und direkt. Damit wirs sogar ein viel zu oft gehörter Klassiker wie Pink Floyds unsterbliche Großtat „Wish You Were Here“ zum Erlebnis allererster Güte. Bereits das Gitarrenintro zum Titelstück brilliert mit einer Intensität und einer schlichte nSchönheit, das es einem Schauer den Rücken hinunter jagt. Der Schmerz ob des Verlustes es Ex-Bandmitgliedes Syd Barrett wird fast körperlich spürbar – ganz große Kunst. Ähnlich intensiv klingt Rickie Lee Jones’ „Lucky Guy“ von ihrem 1981er Album „Pirates“, das ich in letzter Zeit eigentlich viel zu selten zu Rate ziehe. Blasinstrumente sind auch so eine Sache- Gerade dann, wenn sie mit etwas mehr Elan bedient werden wie das Chuck Mangione bei seinem berühmten Titel „Cildren Of Sanchez“ tut. Hier gehen Strahlkraft und Geschmeidigkeit ene wunderbare ehe ein, nichts hakt, nichts kratzt. Die explosive Dynamik des Songs kommt absolut glaubhaft rüber – ich habe keine weiteren Fragen.
Unterm Strich…
Fonolabs DECVS ist eine ausgezeichnete Übertragerlösung für Abtaster mit wenig Ausgangsspannung. Im Handling unproblematisch, klanglich supergeschmeidig, direkt und stimmig.
Fonolab DECVS
- Preis: ca. 3750 Euro
- Vertrieb: ACM, Mönchengladbach
- Telefon: 02161 277 1470
- Internet: acm-audio.de
- Garantie: 2 Jahre
- Abmessungen: 155 x 70 x 215 mm (BxHxT)
- Gewicht: ca. 2,1 kg
GegenspielerMitspieler
Plattenspieler:
Tonarme:
Tonabnehmer:
Phonovorstufen:
Vorverstärker:
Endverstärker:
Lautsprecher:
Gespieltes
- Pink Floyd – Wish You Were Here
- Rickie Lee Jones – Pirates
- Chuck Mangione – Children Of Sanchez
- Maria Wylma – Alles Gute