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Einzeltest > > 02.09.2026

Kopfkino

Stammlesern dieser Publikation ist der Name Alders & Lange nicht ganz neu, hatten wir doch vor nicht allzu langer Zeit eine sehr feine Phonovorstufe dieses neuen Herstellers zur Begutachtung hier. Doch die Herren aus dem niederrheinischen Kempen können auch anders

Acht Kilogramm für einen Kopfhörerverstärker sind eine Ansage. Zumal es sich um ein mit 20 Zentimetern Breite nicht allzu ausladendes Gerät handelt. Wobei „Kopfhörerverstärker“ den Kern der Sache beim „Headman“ nur teilweise trifft, man kann ihn nämlich auch hervorragend als Vorverstärker einsetzen. Noch besser: Das geht sogar beides gleichzeitig. Das Gerät ist in Sachen Ausstattung vielfältig konfigurierbar und nicht unbedingt ein Einsteigerofferte: Die Preise bewegen sich zwischen 6250 und 8200 Euro. Um zu verstehen, wie die Firma „tickt“ und woher die hohen Ansprüche an die hauseigenen Produkte kommen, war ich mal vor Ort in Kempen.
Dort wird schnell klar, dass in dem ziemlich neuen Zweckbau weitaus mehr passiert als die Fertigung von HiFi-Komponenten. Die „Alders elektronic GmbH“ nämlich ist eine erfolgreiche Vertriebsplattform für anspruchsvolle elektromechanische Bauteile, zu deutsch: Schalter in allen erdenklichen Formen und Farben. Für anspruchsvolle Anwendungen. Solche, die auch unter widrigen Bedingungen funktionieren und das lange.
Dieser Umstand nämlich erklärt ein paar konstruktive Details an den Alders & Lange-HiFi-Komponenten. Wenn man irgendwo drauf drücken oder dran drehen kann, dann fühlt sich das bei Alders & Lange nämlich anders an als bei den allermeisten anderen HiFi-Geräten. Satter. Härter. Solider. Vertrauenerweckender. Was bei den Bedienelementen, die man in Kempen zu Verfügung hat, auch nicht weiter verwundert.
Das gilt auch – sogar in ganz besonderem Maße – für den Lautstärkesteller des Headman. Dieser manifestiert sich in Form einer massiven Metallscheibe an der Oberseite des Gerätes, umgeben von einem Kranz aus Leuchtdioden, die den eingestellten Pegel anzeigen. Dieser Knopf rotiert wunderbar leichtgängig auf einem großformatigen Kugellager. Mittig ist ein zylinderförmiger, besonders polarisierter Magnet befestigt, der über einem kleinen SMD.Chip auf der darunter angeordneten Platine sitzt. Dabei handelt es sich um einen elektronischen Magnetfeldsensor, der den Drehwinkel des Magneten – und damit des Knopfes – sehr genau ermitteln kann. Berührungslos, präzise und ausgesprochen perfekt. Die Technik stammt aus dem Bereich der industriellen Motorsteuerung und wird normalerweise eingesetzt, um Werkzeugmaschinen höchst genau zu positionieren.
Und dann wären da noch die Achsen der insgesamt acht Schalter und Potis auf der Gerätefront. Jede davon wird mittels eines in die Front eingelassenen Kugellagers geführt. Ergo: Hier wackelt gar nichts. Oder der Taster rechts, der die ganze Chose in Betrieb nimmt. Das ist so einer aus dem hauseigenen Vertriebsprogramm und man merkt beim Betätigen sofort, dass der nicht aus der Wundertüte eines China-Versenders stammt.
Fürs Handschmeichlerische hat Konstrukteur Heiko Lange also vorbildlich gesorgt, aber was genau macht den Headman denn eigentlich aus?
In seiner einfachsten Form heißt er „HM 100“ und fungiert als Kopfhörerverstärker mit vier schaltbaren Eingängen. Das entgegengesetzte Endes des Spektrums bildet die Variante „HM 111-Q4“. Daran lassen sich insgesamt fünf Kopfhörer anschließen. Die „Q4“-Option bringt die Möglichkeit, einen von vier rückseitigen Ausgängen per Schalter auszuwählen, der fünfte Anschluss ist immer aktiv. Seine Besonderheit besteht darin, dass man die hier anliegende Verstärkung mittels DIP-Schaltern am Gehäuseboden separat einstellen kann. Hinzu gesellen sich – separat verstärkt – zwei Line-Ausgänge im Cinch-Format, die für die erwähnte Vorverstärkerfunktionalität sorgen.
Und dann wäre da noch das, was Alders & Lange einen „biophonischen Equalizer“ nennen. Dabei handelt es sich einen in drei Frequenzbänder unterteilten Equalizer, der speziell auf Kopfhöreranforderungen zugeschnitten ist. In der Praxis entpuppt sich dieses Feature als ziemlich mächtiger Klangregler mit reichlich Reserven bei Abschwächung und Anhebung der Frequenzen um 30, 2600 und 7000 Hertz. Ich rate zur Zurückhaltung beim Einsatz dieses Features, man kann damit den Sound drastisch „verbiegen“.
Und sonst? Wir hätten da noch einen Betriebsartenwahlschalter, der die Wahl zwischen stereo, mono, „nur links“ und „nur rechts“ lässt und einen Drehschalter für die Ausgangskonfiguration, mit dem sich die einzelnen Ausgänge zu- und abschalten lassen. Und dann gibt es noch ein besonders schlaue Option, die für Betreiber der in Planung befindlichen Endstufen in Betracht kommt: An den Line-Ausgängen liegt in dem Falle grundsätzlich das Audiosignal mit vollem Pegel an, über die „Netzwerkbuchse“ im RJ45-Format wir die Lautstärkeinformation digital an entsprechend ausgestattete empfangende Geräte geliefert. Die Idee ist nicht schlecht, weil sich größere Analogsignale grundsätzlich störärmer transportieren lassen als kleine.
Alders & Lange listen insgesamt sieben Gerätevarianten, Tatsächlich aber ist damit noch lange nicht Schluss, es gibt noch eine ganze Reihe zusätzlicher Optionen. Da wäre zum Beispiel noch das „Crossfeed“-Modul, mit dem sich die Kanaltrennung reduzieren lässt, was bei Kopfhörerwiedergabe von Vorteil sein kann. Das lässt sich allerdings nur alternativ zum „biophonischen Equalizer“ einbauen, weil die Front sonst nicht genug Platz für alle erforderlichen Bedienelemente bietet. Ohne Frage handelt es sich beim Headman um ein klassisches Manufakturgerät, was der Hersteller genau auf die Anforderungen des Kunden zuschneidet. Inklusive der Gehäusefarbe, bei der man die Wahl zwischen den Standardfarben „staubgrau“, „tiefschwarz“ und „verkehrsweiß“ hat. Alternativ sind auch Sonderlackierungen möglich – ist doch klar.
Nach dem Entfernen der mächtigen, als Gerätfuß dienenden Stahlplatte lässt sich der Aluminiumtubus entfernen, der als Gehäuse für den Headman dient. Darunter kommt, wie schon bei der Phonovorstufe „Vinyl Engine“, ein perfekt durchdachter modularer Aufbau ohne auch nur eine einzige das Gesamtbild störende Kabelverbindung zum Vorschein. Auf der rechten Seite, mittels eines abschirmenden Blechs vom Rest der Elektronik getrennt, findet sich die Netzteilplatine. Hier kommen diverse Schaltnetzteile zum Zuge, die ein- wie ausgangsseitig sorgsam passiv gefiltert werden. Die Betriebsspannungen für den Analogteil erzeugt allerdings ein Ringkerntrafo, der sich unter dem Lautstärkesteller versteckt. Von zentraler Bedeutung ist der Modulschacht, in dem sich sechs Steckmodule für die diversen Ausgangskonfigurationen unterbringen. Bei unserem Testexemplar steckten dort vier Stück „OM-1“ und zweimal „OM-2“. Alles ist streng monophon aufgebaut, zwei OM-1 bedienen die Kopfhörerausgänge, die zwei anderen den Line-Ausgang L1. Darauf kommen kräftige integrierte Treiberchips zum Zuge, die locker 250 Milliampère Strom liefern können und klanglich einen exzellenten Ruf genießen. Der zweite Line-Ausgang wird von dem etwas schlichteren Modul OM-2 bedient, das nicht ganz so verschwenderisch Strom liefern kann. Auch sonst setzt der Hersteller konsequent auf moderne integrierte Bausteine, die Messtechnik gibt ihm dabei absolut Recht: Störabstände und Verzerrungswerte des Gerätes sind ohne Fehl und Tadel.  Ansonsten fällt der nahezu verschwenderische Einsatz von Relais auf, die beim Headman für so ziemlich alle Schaltvorgänge zum Zuge kommen. Auch für den Lautstärkesteller, bei dem sechs Relais Festwiderstände so kombinieren, dass 64 Pegelstufen dabei herauskommen. Den Elektronikprofi erkennt man daran, dass winzige rote Leuchtdioden die Schaltzustände so ziemlich aller Relais dokumentieren. Im Falle eines Falles erleichtert das die Fehlersuche ungemein.
Wenn ich am absolut makellosen Aufbau des Headman irgendwas zu kritisieren habe, dann sind es die ausschließlich auf der Rückseite angeordneten Kopfhöreranschlüsse. Ich sehe ein, auf der Front geht’s eng zu, aber für „Vielstöpsler“ ist das so doch etwas lästig. A propos Kopfhöreranschlüsse: Alders & Lange setzen diesbezüglich konsequent auf „Kombibuchsen“, in die sowohl 6,3-mm-Klinkenstecker als auch dreipolige XLR-Stecker passen. Wenngleich die letzte Option dann doch eher unüblich ist.
In Sachen Kompatibilität muss man sich beim Headman keinerlei Gedanken machen, der Hersteller spezifiziert ihn für Kopfhörer zwischen acht und 600 Ohm. Leistung ist ob der potenten Ausgangstreiber genug vorhanden. Unser Sennheiser HD-800 darf an dieser Stelle als völlig unproblematisch gelten (300 Ohm). Mein bewährter Sendy Audio-Magnetostat ist deutlich niederohmiger, was dem Headman ebenfalls herzerfrischend egal ist.

Klanglich geht der Verstärker in die Richtung, die sich schon bei der „Vinyl Engine“ andeutete: Neutralität und Transparenz sind oberstes Gebot, gepaart mit einem äußerst soliden Tieftonfundament. Damit geht dann auch etwas gröberes Material wie die gut abgehangene „Live in Antwerp“ des Berliners (zumindest seinerzeit noch) Trios ganz ausgezeichnet: Das Konzert hat die nötige Hitze, den Druck und – man höre und staune – ein nennenswertes Maß an Durchhörbarkeit. Die Wandelbarkeit seines Charakters zeigt der Headman mit der wunderbare Riverside-LP „Chet“ des begnadeten Trompeters Chet Baker aus dem Jahre 1959. Die zerbrechliche Sensibilität der Trompete transportiert der Headman absolut glaubhaft, der Sound ist vereinnahmend und überzeugend. Hilfreich sind hier sicherlich die ausgezeichneten Fremdspannungsabstände des Gerätes und sein Verzerrungsarmut, die so gar keine Koloration des Klangs zulassen. Zum Schluss lassen wir uns noch ein bisschen von Chuck Mangiones unsterblichem Kracher „Children Of Sanchez“ windelweich prügeln und ich muss gestehen, dass ich’s dabei in Sachen Pegel deutlich übertrieben habe und meine Ohren danach ein paar Stündchen ihre Ruhe haben wollten. Ja, schon klar: Sollte man nicht zu oft machen, sowas. Aber: Auch so etwas geht ausgezeichnet mit dem Headman, und das ist ein Wert an sich.

Alders & Lange Headman HM 111-Q4

Preis: ca. 6250 Euro
Vertrieb: Alders & Lange, Greven
Telefon: 02152 8955255
Internet: alders-lange.de
Garantie: 2 Jahre
Abmessungen: 200 x 105 x 390 mm (BxHxT)
Gewicht: 8 kg

((Gegenspieler))

Kopfhörerverstärker:
-Lehmann Phonitor

((Mitspieler))

Plattenspieler:
-Sperling L-5 mit Schick 12“

Tonabnehmer:
-Ortofon MC X50
Phonovorverstärker:
-Music First Audio LP 103 LCR

Kopfhörer:
-Sennheiser HD-800
-Sendy Audio Magnetostat

((Gespieltes))
-Kadavar – Live In Antwerp
-Chet Baker – Chet
-Chuck Mangione – Children Of Sanchez
-Walcott, Cherry, Vasconcelos – Codona 2

((Gemessenes))
((Diagramm: lp626_alders_eq))
Das Diagramm zeigt die Möglichkeiten des überaus wirksamen Equalizers des Headman: Er erlaubt nennenswerte Pegeländerungen in allen relevanten Frequenzbereichen. Die restlichen Messungen sind mit überbrücktem Equalizer entstanden, was der Headman mit exzellenten Werten dankt. Sein Frequenzgang reicht bis etwa 80 Kilohertz, die Kanalgleichheit ist vorbildlich, der Fremdspannungsabstand bei 775 Millivolt an Ein- und (Line)-Ausgang beträgt beeindruckende 102 Dezibel(A), die Kanaltrennung liegt kaum darunter. Die Verzerrungen liegen bei völlig unkritischen 0,1 Prozent und sinken interessanterweise mit steigender Aussteuerung bis in den kaum noch messbaren Bereich. Die Stromaufnahme des Gerätes beträgt konstante 15,7 Watt.



Fazit

Kategorie
ProduktHeadman
HerstellerAlders & Lange
Preis0 Euro
Getestet vonHolger Barske
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

Logo LP:Magazin

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