Phonovorstufe AVM Evolution PH 5.3 im Test, Bild
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Einzeltest > Phonovorstufe > 28.07.2026

Die Flexible

Nun sind modulare Phonovorstufen bei AVM ja nichts ganz Brandneues: Beim Topmodell Ovation PH 8.3 lassen sich eine ganze Reihe von Dingen mit entsprechender Modulkonfiguration ändern. Das gibt’s jetzt auch eine Nummer kleiner

Test Phonovorstufe AVM Evolution PH 5.3

AVMs Top-Phonovorstufe Ovation PH 8.3 ist ganz eindeutig ein echtes Schwergewicht unter den Geräten dieser Art, macht aber in dem Moment Probleme, wenn man sie bezahlen muss. Gerade dann, wenn man sich für eine etwas üppigere Modulbestückung entscheidet, wird’s finanziell schnell unübersichtlich. Das ist, trotz einer ganzen Reihe technischer Übereinstimmungen, bei der PH 5.3 nicht ganz so schlimm.

Varianten

Die PH 5.3 verfügt, wie die große Schwester auch, über eine Röhrenausgangsstufe. Das muss in diesem Fall aber nicht so sein, es gibt eine kleinere Version mit Halbleiter- Ausgangsmodul – die heißt dann PH 3.3. Damit beginnt der Reigen bei den Evolution-Phonovorstufen, und zwar zum Preis von 5000 Euro. Dafür gibt’s dann einen fest eingebauten MM- und einen MC-Anschluss. Wer die Röhrenausgangsstufe will – womit das Gerät zur PH 5.3 mutiert – der muss 6000 Euro berappen. In den Modulsteckplatz auf der Rückseite lassen sich bei Bedarf die Erweiterungsplatinen aus der Ovation PH 8.3 stecken. Davon gibt’s derer drei: ein MM-Modul in Halbleitertechnik mit Cinch-Eingängen für 1100 Euro, ein ebensolches MC-Modul für 1300 Euro und ein MC-Modul mit XLR-Anschlüssen für ebenfalls 1300 Euro. Wer also Vollausbau will, der muss rund 7300 Euro einplanen. Vorausgesetzt, er ist mit einem schwarz oder silberfarben eloxierten Gehäuse zufrieden, die verchromte „Cellini“-Optik schlägt mit abermals 900 Euro zu Buche.

Ausstattung und Bedienung

Phonovorstufe AVM Evolution PH 5.3 im Test, Bild
Schwarz und silberfarben sind die beiden Standardoptionen für die Gehäusegestaltung, verchromt kostet extra
Was PH 8.3 und PH 5.3 auf den ersten Blick voneinander unterscheidet, ist der weitgehende Verzicht auf irgendwelche physischen Bedienelemente beim Evolution-Modell. Lediglich ein Taster links und ein Taster rechts zieren die Front; der eine schaltet auf Standby, der andere den Ausgang stumm. Alles andere erledigt man sinnvollerweise mit der Fernbedienung. Prinzipiell geht‘s auch am Gerät, aber damit kann ich mich nicht recht anfreunden, zumal mich der Verdacht beschleicht, dass die dazugehörige Steuersoftware noch ein bisschen „Beta“ ist.
Zentral ist ein hübsches weißes LCD angeordnet, dass über den jeweiligen Betriebszustand Auskunft gibt. Dabei handelt es sich nicht um ein richtiges Touch-Display, sondern um eines, das lediglich mit einer Reihe von berührungsempfindlichen Punkten am unteren Rand ausgestattet ist. Und genau über diese ist die Maschine – zumindest in der Theorie - steuerbar. In der Praxis ist das noch etwas hakelig und unzuverlässig. In Anbetracht des Umstandes, dass es sich bei unserem Gerät jedoch noch um ein Vorserienexemplar handelte, geht da für die Serie bestimmt noch was. Interessant ist der Annäherungssensor: Wenn man sich mit der Hand dem Display nähert, schaltet es vollautomatisch auf die Menüansicht, in der die relevanten Parameter einstellbar sind.

Phonovorstufe AVM Evolution PH 5.3 im Test, Bild
Die solide Metallfernbedienung ist das beste Mittel, auf die zahlreichen Features des Gerätes zuzugreifen
Allerdings kann man, wie gesagt, das auch komplett ignorieren und alle Einstellungen mit der mitgelieferten Vollaluminium-Fernbedienung erledigen, was absolut perfekt funktioniert.
Beim MM-Eingang – egal ob beim eingebauten oder dem optionalen modularen – steht die Engangsimpedanz fix auf 47 Kiloohm, die Eingangskapazität lässt sich sechsstufig zwischen 50 und 400 Picofarad variieren, die Verstärkung fünfstufig zwischen 46 und 66 Dezibel. Das ist üppig und ich würde nicht dazu raten, von den höheren Werten nicht wirklich Gebrauch zu machen. Das geht zwar technisch ohne Probleme, aber einen so leisen MM-Abtaster, der soviel Verstärkung braucht, gibt‘s schlicht nicht.

Dieser Aspekt wird bei den MC-Eingängen noch etwas auffälliger. Hier beträgt die geringstmögliche Verstärkung nämlich kernige 66 Dezibel, die höchste gewaltige 86 Dezibel – ebenfalls in fünf Stufen. Wie praxisgerecht das ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Kleines Rechenexempel: Wir nehmen mal einen sehr leisen MC-Abtaster mit einer Ausgangsspannung von 100 Mikrovolt an und verstärken das um 86 Dezibel. Dann stehen am Ausgang der PH 5.3 ziemlich beeindruckende zwei Volt an – also das, was ein CD-Spieler während seiner Hochzeit so lieferte, weil er jede andere Quelle in Sachen Pegel übertönen sollte. Es gilt mit der „Gain“-Einstellung also etwas aufzupassen, weil man damit sowohl die PH 5.3 als auch den nachgeschalteten Verstärker sehr leicht kräftig übersteuern kann. Weitgehende Normalität herrscht dann wieder bei den sechs wählbaren Eingangsimpedanzen; die bewegen sich zwischen 30 und 1000 Ohm, das ist absolut praxisgerecht.
Rückseitig finden sich die zu erwartenden Anschlüsse – und ein paar mehr. Ausgangsseitig gibt‘s nämlich zusätzlich ein Paar XLR-Ausgänge, außerdem verfügt jeder Eingang über eine eigene Erdungs-Schraubklemme. Man kann die drei Eingänge des gleichzeitig beschalten, sprich: bis zu drei Plattenspieler anschießen. Es gibt sogar einen 15-Volt-Anschluss, an dem sich die hauseigenen Plattenspieler betreiben lassen.

Technik

Phonovorstufe AVM Evolution PH 5.3 im Test, Bild
Die PH 5.3 ist eine hochmoderne Konzeption und meilenweit von jeder Vintage-Anmutung entfernt
Phonovorstufe AVM Evolution PH 5.3 im Test, Bild
Die beiden Röhren bekommen per LED etwas Extra-Leuchtkraft spendiert
Respekt gebührt der Konstruktion des soliden Aluminiumgehäuses, bei dem nur rückseitig Schrauben vorhanden sind. Der Deckel lässt sich trotzdem einfach mit dem Lösen von nur vier Bolzen einfach entfernen. Darunter kommt ein hoch moderner, weitgehend mit SMD-Komponenten realisierter Aufbau zum Vorschein. Optisch auffällig ist das mit zwei Röhren versehene Ausgangsmodul, wie wir es auch aus der Ovation PH 8.3 kennen. Die Glaskolben sind mit „AVM T83 S“ gestempelt, Wir dürfen davon ausgehen, dass es sich dabei um klassische Doppeltrioden aus der ECC8x-Baureihe handelt – wir wissen halt nicht, um welche genau. Deren etwas spärlicher Leuchtkraft helfen zwei orangefarbene Leuchtdioden in der Röhrenfassung auf die Sprünge – das Auge hört bekanntermaßen mit.
Die eingangsseitigen Verstärkerstufen sind mit integrierten Operationsverstärkern realisiert, es kommen „die üblichen Verdächtigen“ zum Zuge. Solche mit FET-Eingängen für die hochohmigen MM-Abtaster, bipolare Typen für MC-Tonabnehmer – ganz so, wie es das Lehrbuch diktiert.
Eingangskapazitäten und -widerstände werden elektronisch geschaltet, alles andere übernehmen feine Kleinsignalrelais. Die Stromversorgung des Gerätes liegt in den Händen gleich eine ganzen Reihe von kompakten Industrieschaltnetzteilen, deren Ausgangsspannungen mit einer Vielzahl von Drosseln zusätzlich bereinigt wird.
Besonders gefallen dem Ingenieur in mir eine Vielzahl von kleinen SMD-Leuchtdioden, die den Schaltzustand der diversen Relais anzeigen. Im Servicefalle sicherlich eine deutliche Erleichterung bei der Fehlerlokalisation.
Dem „Bauteile-Freak“ gibt die Konstruktion des PH 5.3 recht wenig. Es gibt keine besonders „audiophilen“ Boutique-Bauteile und keine in geheimen Zirkeln entwickelten Schaltungskniffe, die die Welt noch nicht gesehen hat. Das Gerät ist eine absolut pragmatische Ingenieursarbeit und zwar eine, die ihren Job ausgezeichnet macht, wie der Messtechnikdurchgang belegt. Dabei gilt es besonders die Röhrenausgangsstufe lobend zu erwähnen, die technisch auf allerhöchstem Niveau arbeitet.

Klang

Im Hörraum durfte die AVM dann den Platz der großartigen Music First Audio-Phonovorstufe (Test in dieser Ausgabe) einnehmen. Die PH 5.3 offenbart eindeutig eine neutralere und weniger spektakuläre Gangart als die britische Konstruktion. Das hat definitiv seinen eigenen Charme, wie zum Beispiel die Schweizer Künstlerin Maria Wylma auf ihrem Erstling „Alles Gute“ unter Beweis stellt. Die reduzierte und ganz leicht brüchige Stimme passt ausgezeichnet zum pragmatisch-transparenten Charakter der AVM, die zudem mit einem extrem tiefen und warmen, aber niemals übertriebenen Fundament verwöhnt. Gerade die Bassdrum auf diesem Album passt genau ins Beuteschema dieser Phonovorstufe. Das angeschlossene Ortofon MC X50 ist mit den minimalen 66 Dezibel Verstärkung mehr als glücklich und liefert auch hier eine absolut überzeugende Vorstellung ab. Intime und sensible musikalische Settings sind eine der Domänen der PH 5.3, wie das unsterbliche Massey-Hall-Konzert von Neil Young aus dem Jahre 1971 eindrucksvoll beweist. Mit ganz viel Atmosphäre und phantastischer Raumausleuchtung stellt die Maschine den Künstler mit der gebotenen Emotionalität auf die Bühne und lässt ihn einfach Neil Young sein – klasse.
Einen Abtaster, mit der ich die Verstärkungsreserven der PH 5.3 auch nur ansatzweise hätte ausreizen können habe ich leider nicht im Angebot, aber auch so darf man AVM zu dieser sehr gelungenen Konstruktion gratulieren.

Unterm Strich…

Die PH 5.3 punktet mit gewaltigen Verstärkungsreserven und einem wunderbar geradlinigen und im besten Sinne eigenschaftslosen Klang mit ausgeprägt weiträumiger Darstellung.

AVM PH 5.3
  • Preis: ab ca. 6000 Euro
  • Vertrieb: AVM. Malsch
  • Telefon: 07246 309910 
  • Internet: avm.audio
  • Garantie: 2 Jahre
  • Abmessungen: 431 x 130 x 390 mm (BxHxT)
  • Gewicht: ca. 12 kg
Gemessenes
Phonovorstufe AVM Evolution PH 5.3 im Test, Bild
Die AVM hält sich erfreulich genau an die RIAA-Entzerrerkurve und liefert einen mustergültigen Frequenzgang bis rund 50 Kilohertz. Das Subsonic Filter arbeitet praxisgerecht. Nicht ganz so perfekt geriet die Kanalgleichheit, hier ist ein knappes halbes Dezibel Abweichung zu verzeichnen. Im MM-Betrieb mit minimaler Verstärkung  (46 Dezibel) und 5 Millivolt am Eingang maßen wir einen Fremdspannungsabstand von ausgezeichneten 79.6 Dezibel(A), eine Kanaltrennung von ebenfalls exzellenten 79 Dezibel(A) und Verzerrungen in Höhe von 0,018 Prozent. Für die MC-Messung wählten wir eine Verstärkung  von gerade noch praxisgerechten 71 Dezibel und erhielten bei 0,5 Millivolt Eingangsspannung 60,6 und 60,3 Dezibel(A) sowie 0,078 Prozent Klirr. Das Gerät verbraucht rund 21 Watt Strom

Gegenspieler

Phonovorstufen:
  • Music First Audio LP 103 LCR
  • Alders & Lange Vinyl Engine VE 100-F
Mitspieler

Plattenspieler:
  • Sperling L-5
Tonarme:
  • Schick 12“
Tonabnehmer:
  • Ortofon MC X50
  • Lyra Atlas Lambda
  • Otta Mandolin
Vorverstärker:
  • Yamaha C-4
Endverstärker:
  • Yamaha M-4
Lautsprecher:
  • JBL L300
Gespieltes
  • Maria Wylma – Alles Gute
  • Neil Young . Live AT Massey Hall
  • Mogwai – Come On And Die Young
  • John Coltrane – A Love Supreme


Fazit

KategoriePhonovorstufe
ProduktEvolution PH 5.3
HerstellerAVM
Preis6000 Euro
Getestet vonHolger Barske
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

Logo LP:Magazin

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Holger Barske
Redakteur / Tester

Holger Barske


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