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Formfaktoren - Test Plattenspieler / Tonarm TW Acustic Raven New AC / Raven 12.9 | LP - Magazin
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Einzeltest > Plattenspieler > 27.07.2026

Formfaktoren

In der jüngeren Vergangenheit war’s eher still um eine von Deutschlands renommiertesten Plattenspielermanufakturen in Gestalt von TW Acustic aus Herne

Test Plattenspieler / Tonarm TW Acustic Raven New AC / Raven 12.9

Stop, stop. Immer langsam. Tatsächlich nämlich residiert Thomas Woschnicks Firma TW Acustic gar nicht mehr in Herne, sondern seit geraumer Zeit in der Bochumer Peripherie – zumindest die Fertigung der bestens beleumundeten Laufwerke und Tonarme. Da die Wege im Ruhrgebiet kurz und knackig sind, ist der Unterschied auch eher von theoretischem Interesse.
Weitaus spannender ist das, was „TW“ uns da neulich in den Hörraum gewuchtet hat – nämlich die jüngste Variante seiner Plattenspielerbaureihe „Raven“, die er seit dem Start des Unternehmens vor mittlerweile gut über 20 Jahren hegt und pflegt. Der Klassiker unter den Modellvarianten dürfte der „Raven AC“ sein, der bis heute als Raven AC2 im Programm ist. Das Problem mit dem Gerät ist, dass es in Sachen Unterbringung eine echte Herausforderung darstellt und eine Stellfläche von mindestens 60 Zentimetern Breite erfordert. Viele Racks kapitulieren an der Stelle und so kam die Frage auf, ob sich ein Plattenspieler dieser Klasse nicht auch ein wenig schmaler realisieren ließe. Das Resultat dieser Bemühungen ist das hier zur Debatte stehende Modell „Raven New AC“. Ob sich die Typenbezeichnung in Sachen Einfallsreichtum nicht noch hätte toppen lassen sei mal dahingestellt, fest steht auf alle Fälle, dass das Gerät eine Reihe neuer Ideen mit in den Rabenhorst bringt. Nun ist es nicht so, dass der neue mit einer erforderlichen Stellflächenbreite von 56 cm Zentimetern ein betont platzsparendes Modell geworden wäre, aber immerhin. Man sollte auch nicht vergessen, dass die Armbasis rechts noch ein ganzes Stück überhängt, auch dafür muss genügend Platz vorhanden sein.
Der Trick am „New AC“ besteht darin, das der Konstrukteur das schmetterlingsförmige Chassis mit deinen vier Eckpfeilern aufgegeben hat, an denen bislang maximal vier Armbasen montiert werden konnten. Der neue Laufwerksgrundkörper ist rund und verschwindet praktisch komplett unter dem Plattenteller.. Vier Arme montieren kann man auch hier, dafür muss man eine entsprechende Zahl von Auslegern montieren, die bombenfest in Ausnehmungen in der Laufwerksgrundplatte verbolzt werden. Jene besteht beim New AC übrigens erstmals aus Stahl - einem Material, das TW bis dato vermieden hat. Irgendwelche magnetisch bedingten Probleme sind dennoch nicht zu erwarten, weil der New AC so hoch baut, dass immer ein respektabler Abstand zwischen Laufwerksbasis und Abtaster gewahrt bleibt. Zudem dürfte das echte Ungetüm von einem Plattenteller eine mehr als ausreichende Abschirmwirkung haben. A propos Plattenteller: Es gibt zwei Versionen davon. Beide stellen eine Kombination aus einer Kupferscheibe und einer „Glocke“ aus Kunststoff dar. Bereits der „kleine“ Teller wiegt stattliche 17,3 Kilogramm, das Monster, dass unser Testgerät ziert, in der Gegend von 25. Das geht auf Konto der mindestens 35 Millimeter dicken Kupferscheibe, auf der die Platte zu liegen kommt. Das Upgrade hat seinen Preis: Schon die Basisversion des New Raven ist mit 20000 Euro nicht direkt ein Sonderangebot, der dicke Teller macht die Sache nochmals 4000 Euro teurer.
Solcherlei Kompromisslosigkeit will ordnungsgemäß geführt werden: Zu diesem Zweck steht auf der Stahlbasis ein dicker Aluminiumzylinder, in dem wiederum eine 16 Millimeter durchmessende  Stahlachse steckt. Die fertigt TW zusammen mit der Lagerhülse aus Phosphorbronze, und das immer im Team: Beide Komponenten werden mit maximaler Präzision aufeinander eingeschliffen, einfach mal eine der Komponenten tauschen geht nicht. Für die vertikalen Kräfte sind eine nicht übermäßig harte Edelstahlkugel und ein Lagerspiegel aus einem besonders widerstandsfähigen Spezialkunststoff zuständig. Die Kugel arbeitet sich mit der Zeit in definiertem Maße in den Spiegel ein und schafft so die Fläche, um die gewaltigen Kräfte dauerhaft auszuhalten. Dieses Lager hat TW über 20 Jahre lang perfektioniert – Probleme damit dürfte es während der Lebenszeit des Besitzers damit nicht geben.
Angetrieben wird der New AC von einer ebenfalls runden Motordose mit integrierter Steuerelektronik. Darin stecken gleich drei aufwändig modifizierte Industriemotoren, um die ein eigens gefertigter, ziemlich dehnungsarmer Gummiriemen so geschlungen wird, dass maximales Drehmoment am Teller ankommt. Das Ergebnis überzeugt: Die Beschleunigungszeit auch beim schweren Teller ist beeindruckend niedrig. Zudem sorgt die „mechanische Parallelschaltung“ der drei Motoren für eine zumindest theoretische Reduktion sämtlicher verbleibender Ruckeleffekte.
Dieses Kraftwerk hat einen direkten Netzanschluss, aber das muss nicht so sein: Optional steht eine Akkustromversorgung zur Verfügung  (6000 Euro Aufpreis), die das Stromthema gänzlich erledigt und außerdem sehr komfortabel funktioniert: Darin arbeiten nämlich zwei Akkubänke, von denen eine den Plattenspieler versorgt, währen die andere geladen wird. Bei Bedarf wird dann zwischen beiden umgeschaltet.
Bleibt auf unseren mittlerweile 30000 Euro teuren Dreher noch einen Tonarm zu schrauben. In unserem Falle kam der brandneue Raven 12.9 (6000 Euro) zum Zuge, dem jüngsten Zugang zur hauseigenen Armlinie. Dessen Srickmuster gleicht den anderen Vertretern seiner Zunft naturgemäß: eine sehr geradlinige Konstruktion mit auf Reibungsarmut selektierten Kugellagern, einem manetischen Antiskating und einer nochmals verfeinerten Höhenverstellung: Die Bedienung des großen Edelstahlrings, der den Arm in der Höhe verfährt, ist ein haptischer Genuss allererster Güte. Die solide Metallkonstruktion ist vollkommen selbsterklärend und ja, die effektive Länge beträgt tatsächlich 327,76 Millimeter – fast 13 Zoll. Für den Raven New AC ist der erforderliche Einbauabstand von gut 315 Millimeter kein Problem, bei anderen Laufwerken sollte man sich vorher vergewissern, ob das gute Stück auch passt. Mit 18 Gramm effektiver Masse liegt der Arm immer noch im mittelschweren Bereich, we2shalb unser neuer „Lieblingstonabnehmer“, das Ortofon MC X50 auch bestens damit harmonierte.
Wir fangen mal mit einer ganz besonderen Platte an: „Irrlicht“ des deutschen Elektronikpioniers Klaus Schulze. Was die schwebenden Kunstwerke ganz schnell verdeutlichen: Der New AC ist akustisch genau das Gegenteil eines zentnerschweren Masselaufwerks. Vielmehr versteht er es meisterhaft, Klänge völlig schwerelos (schönes Wort in diesem Zusammenhang) nicht nur zwischen de Lautsprechern, sondern frei im Raum schweben zu lassen. Das ist der Punkt, Klar, die Basis dafür ist eine unerschütterliche Ruhe, aber die geht eben nicht mit stoischer Trägheit einher.
Tonal sind Laufwerk und Arm weitgehend eigenschaftslos. Natürlich reproduzieren sie tieftonal Forderndes mit völliger Lockerheit und rhythmisch korrekt. New AC und Raven 12.9 und die ausgezeichnete „Argus“-Neuauflage (Wishbone Ash) mit 45 Umdrehungen sind ein Beweis dafür, dass Siebziger-Rockmusik absolut großartig klingen kann. Mit diesem Plattenspieler kriecht man förmlich in die Ritzen zwischen dem mehrstimmigen Gesangsparts ud – natürlich – den doppelten Gitarren, mit denen die Band bekannt wurde. 

Kurz gesagt: Das ist es. Ich glaube nicht, dass man mit einem Plattenspieler noch Dinge aus einer Rille extrahieren kann, die dem Raven New AC und dem Raven 12.9 verborgen bleiben und die er nicht in eine wunderbar leichte und freudvolle Hörerfahrung packen kann.

Unterm Strich…
Traumhaft leichtfüßig, gleichzeitig unerschütterlich und absolut präzise: Raven New AC und Raven 12.9 sind Analogtechnik, die klanglich nicht zu toppen sein dürfte

TW Acustic Raven New AC / Raven 12.9
  • Preis: ab ca. 20000 / 6000 Euro
  • Vertrieb: Sieveking Sound, Bremen
  • Telefon: 02921 3509390
  • Internet: sieveking-sound.de
  • Garantie: 2 Jahre
  • Abmessungen: ca. 550 x 220 x 350 mm (BxHxT, plus Überhänge)
  • Gewicht: ca. 50 kg
Gegenspieler
Plattenspieler:
  • Sperling L-5 / Schick 12“
Mitspieler
Tonabnehmer:
  • Ortofon MC X50
  • Lyra Atlas Lambda
Phonovorstufen:
  • Alders & Lange Vinyl Engine VE 100-F
  • AVM PH 5.3
  • Music First Audio LP 103 LCR
Vorverstärker:
  • Yamaha C-4
Endverstärker:
  • Yamaha M-4
Lautsprecher:
  • JBL L300
Gespieltes
  • Klaus Schulze – Irrlicht
  • Wishbone Ash – Argus (45 rpm)
  • Rickie lee Jones – It’s Like This
  • Miles Davis – Kind Of Blue


Fazit

KategoriePlattenspieler
ProduktRaven New AC / Tonarm Raven 12.9
HerstellerTW Acustic
Preis20000 Euro / 6000 Euro
Getestet vonHolger Barske
Vorheriger Test

Einflussreich - Röhrenvorverstärker Air Tight ATC-7

Logo LP:Magazin

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